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21.05.2019, Jamal Tuschick

„Mittelstandskinder mit Hochschulabschlüssen und Jobs (tragen) den sozialen Krieg, der seit geraumer Zeit an den Rändern des globalen Systems tobt“, auf die Magistralen der Welt. – „Wenn wir uns Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit wünschen, müssen wir Leute … als Feinde betrachten.“ Mit dieser Ansage steigt der journalistisch unversöhnlich intervenierende Aktivist Paul Mason in die Arena.

Klare Kampfansage

Der Widerstand gegen Trump findet seine radikalste Kohorte in der Sonderbarkeit von „Mittelstandskindern mit Hochschulabschlüssen und Jobs“. Sie sind es, die „den sozialen Krieg, der seit geraumer Zeit an den Rändern des globalen Systems tobt“, auf die Magistralen des siechen Imperiums tragen. Paul Mason beschreibt Bürgerkriegsszenen am Tag von Trumps Inthronisierung in der Stadt des Weißen Hauses. „Mit Veteranen der Berichterstattung über Länder, die den Bach runtergehen“, klatscht Mason sich ab, während er sich an Szenen in Istanbul erinnert fühlt.

Paul Mason, „Klare, lichte Zukunft - Eine radikale Verteidigung des Humanismus“, Kampfansage, aus dem Englischen von Stephan Gebauer, Suhrkamp, 414 Seiten, 28,-

Der Titel zitiert Leo Trotzki, der paradoxe Erwartungen von einer glänzenden Zukunft empirisch sattelte:

„Meine Lebenserfahrungen haben meinen Glauben an die klare, lichte Zukunft der Menschheit nicht zerstört, sondern im Gegenteil gefestigt.“   

Man müsste die Feststellung zynisch finden, könnte man sie nicht religiös nennen. Das mühselige Dasein wird im Jenseits der Zukunft gleich hinter dem Sonnentor in Glück aufgewogen.

Wesensveränderungen in der Infosphäre

Mason ist ein Haltungsjournalist, einer jener, die grimmig-furios und sendungsfroh Stellung beziehen. Er hegt keinen Zweifel daran, wo der Hase im Pfeffer liegt: im Hass solcher, die „alle Ungerechtigkeiten und Widrigkeiten in ihrem Leben mit einer eingebildeten Bedrohung durch Schwarze, Homosexuelle und befreite Frauen erklären“.  

Für eine große Bedrohung hält Mason die „denkende Maschine“. Sie dient ihm als Antagonistin eines im Verhältnis zu gegenwärtigen Erscheinungen oppositionellen Menschenbildes. Er rät zu Marx, und vermutet Zombies unter uns, „Spielzeuge des Zufalls“, weit weg von dem Ideal des Freien eines Aristoteles.

Vermutlich landet man zurzeit überall da Plausibilitätstreffer, wo man, ausgehend von einer beschleunigten Evolution, außerindividuelle Wesensveränderungen in der Infosphäre annimmt, in der Regie von Luciano Floridi, der Mason als Gewährsperson dient. Floridi betrachtet die Menschheit an ihren Rechnern als „informationelle (lernenden Maschinen ausgelieferte) Organismen“. Ich finde das Szenario ozeanisch, es führt mich in einen Korridor maritimer Metaphorik. Das Meer ruft, es lockt mit Ansichten von Seepferdherden, die Algenalmen abweiden.

Zurück in Masons lichte Zukunft. Sie schwankt zwischen Analyse und Pamphlet.

„Ich habe mein Buch aus einem Akt des Widerstands heraus geschrieben. Meine Hoffnung ist, dass auch sie sich auflehnen werden, wenn sie es gelesen haben.“

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