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12.06.2019, Jamal Tuschick

Die Erste Frauenbewegung war in Deutschland ein Wilhelminisches Mosaik. Auch das dokumentiert Annett Gröschner in ihrem Grundlagenwerk „Berolinas zornige Töchter. Fünfzig Jahre Berliner Frauenbewegung“.

Wilhelminisches Mosaik

Marie Juchacz - Über die Vorkämpferin sprechen wir morgen

„Für die besitzende bürgerliche Frau ist ihr Haus die Welt. Für die Proletarierin ist die ganze Welt ihr Haus.“  Rosa Luxemburg

Die Frauenbewegung ist ein Motor der Zukunft. Das beschreibt eine gesellschaftliche Funktion. Richard Huelsenbeck unterschied in den 1920er Jahren die moderne von der traditionellen Frau, deren Habitus zwar im Industriezeitalter entstanden war, aber doch von den vorindustriellen Maßstäben der Hand- und Hausarbeit bestimmt wurde. Von hinten durch die Faust ins Auge gab Huelsenbeck der Idee Raum, ohne Industrialisierung keine Frauenemanzipation. Insofern erschien sie ihm als Appendix ständischer Ermächtigung. Wie Foucault Jahrzehnte später eine Tendenz zur Verflachung von Hierarchien als Ökonomisierungsprozess durchschaute, so erkannte Huelsenbeck in der Frauenbewegung die Bereitstellung einer Armee engagierter, sich in den Arbeitskreisläufen legitimierender Verbraucherinnen.

Annett Gröschner, „Berolinas zornige Töchter. Fünfzig Jahre Berliner Frauenbewegung“, FFBIZ Verlag, 343 Seiten, 10,-

Gröschner beschreibt die Erste Frauenbewegung, ausgehend von dem 1847-Kartoffelaufstand, als Kraft „eines allgemeinen Reform- und Modernisierungsschubs“. Die bürgerliche Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts war eine Bildungsbewegung. Sie strebte nach Aufschlüssen. Sie schmiedete Glieder in die Kette der bürgerlichen Emanzipation.

Sie war keine Überwinderin von Klassenschranken.

Sie war ein Wilhelminisches Mosaik.

Sie nahm degradierende Unterscheidungen vor. Man hinderte arme Aktivistinnen vielfach, wenn auch nicht überall daran, den bürgerlichen Emanzipationszug zu besteigen, und unterwarf sie restriktiven Betrachtungen, in denen sie als Mündel und der Fürsorge Bedürftige erschienen. Man vergegenständlichte sie und verständigte sich über sie ebenso wie man sich über Dienstmädchen austauschte.

Bourgeoise Verve kollaborierte mit der Aufstandsbereitschaft der niedrigen Stände nur in Großbritannien. Zur Gründungssitzung des Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF) im März 1894 wurden Sozialistinnen nicht eingeladen.Die bürgerlichen Aktivistinnen strebten nach einer Aufwertung hin zur mündigen Staatsbürgerin. Arbeiterinnen waren nach ihrem Klassenverständnis Frauen, die erzogen werden mussten. 

Clara Zetkin sprach von einer „reinlichen Scheidung“ der bürgerlichen von der proletarischen Frauenbewegung. Das alles macht es Gröschner nicht leicht, die Erste Frauenbewegung als progressiv in all ihren Abteilungen darzustellen. Sie fasst zusammen:

„Die Erste Frauenbewegung kämpfte um das Wahlrecht, politische Mitbestimmung, das Recht auf Bildung und eigenen Besitz.“

Wird fortgesetzt. 

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