MenuMENU

zurück zu Main Labor

16.06.2019, Jamal Tuschick

LGBT - Als Jean Genet 1971 nach Amerika kam, waren die Black Panther noch offensiv schwulenfeindlich. Genet bewegte sie dazu, ihren Kurs zu ändern. Daran erinnerte gestern Abend der Schriftsteller Edmund White im StudioЯ des Berliner Maxim Gorki Theaters. Er trat gemeinsam mit Jayrôme C. Robinet in der von Deniz Utlu kuratierten Reihe Prosa der Verhältnisse auf.

Stonewall was a Riot

Jayrôme C. Robinet

Von links: Tobias Herzberg, Deniz Utlu​, Jayrôme C. Robinet

Deniz Utlu, Jayrôme C. Robinet, Edmund White, Anna Johannsen (Übersetzerin)

Straßenkampf überall

Wir waren wild und sehr dünn wegen der vielen Amphetamine. Mein Arzt verschrieb mir Speed. Es gab noch keinen Muskelhype. Unsere Schultern waren so schmal wie unsere Hüften. Wir trugen extreme Koteletten und Cowboyhemden.

Nur Spießer aus ländlichen Gegenden, die in New York etwas erleben wollten, benutzten Kondome. Es war alltäglich, sich wegen eines Trippers behandeln zu lassen. Der Sex hatte noch keinen Talk. Es gab keine Kodes. Aus stereotypen Ausgangsszenen ergab sich stets der gleiche Ablauf.

Wir waren nicht sexuell kreativ und wir tuckten nicht im Bett. Erst in den Nachbesprechungen ging man wieder zu transvestiten Schilderungen über.

Viel spielte sich auf der Christopher Street ab. Da ist auch das Stonewall Inn, damals gehörte die Kneipe der Mafia. Es war überhaupt nicht unser Laden, diese eindeutigen Konnotationen von Räumen als schwule Räume habe ich erst später wahrgenommen. Ende der Sechziger, als die Party am heftigsten war, grassierten die Auseinandersetzungen. Es herrschte Straßenkampffieber. Wir warnten uns gegenseitig vor und wir halfen uns gegen Jugendbanden.

Riot is the language of the unheard

So beschrieb Edmund White gestern Abend im Studio Я das New Yorker Klima, als Bewegung in die schwulen Angelegenheiten kam. In der Nacht vom Freitag, den 27. Juni zum Samstag, den 28. Juni 1969, brach gegen halbzwei der Stonewall-Aufstand aus.

„Wir nannten uns Pink Panther und machten aus Black is beautiful gay is good.“

Es war die erste lustige Revolution. Wir verteidigten unser Recht auf Spaß in den Straßen von New York.  

Edmund White ertrug als junger Aktivist unglaublich harte Anfeindungen. Heute ehrt man ihn und betrachtet ihn als Galionsfigur des Gay Movement. White pflegt zu dieser Volte ein distanziert ironisches Verhältnis. So erinnert er sich auch an seinen Start als offen homosexuell Lebender in einer offen homophoben Gesellschaft.

Als ich siebzehn war/wusste ich alles./Ich war ein Nerd.

Wird fortgesetzt.

Newsletter bestellen
Textland auf Facebook
Karten bestellen