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18.06.2019, Jamal Tuschick

Eine Leseprobe aus: Vorlass, Gebrauchsprosa von A.J. Weigoni

Anstoss nehmen.

 

Sich mit der Poesie zu beschäftigen, führt zu einer Sensibilität, einer Haltung, einer Art, um über das Rätsel der Identität nachzudenken. Man kann die Sprache zu einem extravaganten Stil entwickeln, campy, künstlich und artifiziell. Und meist kommt bei diesen artIQlationen vieles zusammen: Kunst, Medien und Musik.

Poesie kann jedoch auch sehr selbstreflektiv sein, weil sie im Kopf des Schriftstellers entsteht. Diese Aussenseiterschaft ist die notwendige Voraussetzung und ein zwingend zu entrichtender Preis der Subjektivierung. VerDichtung ist ein utopischer, zukunftsweisender Entwurf, dem sich das Leben sukzessive anzunähern versucht. Bei diesem "Genopoly" finden sich Spurenelemente von Theorie, Sampling und Performance–Kunst; unter den biokratischen Kritikastern gab es einen akademischen Diskurs zur Identitätspolitik, der in den Gender–Mainstream mündete.

Poesie ist immer etwas Konstruiertes, das Erfinden einer Persona, ein gesellschaftliches Re–Tuning für eine soziale, mediale und auch für eine persönliche Transformation. Und mit einem Gespür für das, was in den Ätherwellen liegt. Musik ist somit eine der unmittelbarsten Begegnungen mit der Empfindungswelt. Wenn ich Musik von Mozart oder Monteverdi höre, bin ich mit einer Schwingung konfrontiert, die mit meiner nichts zu tun hat. Aber es erschüttert mich immer wieder, was die alten Meister in meiner Seele bewegen. Musik und Poesie sind die höchsten aller Künste.

Poesie bedeutet für mich, quer zu denken und Eigendenker zu bleiben. Sie ist der Puffer, den ich zwischen der eigenen Verletzlichkeit und der Welt benötige.

A.J. Weigoni

Leseprobe aus: Vorlass, Gebrauchsprosa von A.J. Weigoni, Edition Das Labor 2019.

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