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20.06.2019, Jamal Tuschick

Poesiefestival 2019 - Fatemeh Shams zählt sich zu jenen Doppeltexilierten, die in ihrer ästhetischen Diaspora Europa und den Orient bereits verschmolzen hatten, bevor sie in die Neue Welt aufbrachen, um sich da noch einmal im Geist Rimbauds zu verwandeln.

Heimat als traurige Vergangenheit ohne Ende

Von rechts: Fatemeh Shams, Maryam Aras

Fatemeh Shams - When they broke down the door

„Ich, das ist eine andere“.

Fatemeh Shams lebt als staatenlose Dichterin und Literaturwissenschaftlerin in den Vereinigten Staaten. Sie unterrichtet an der University of Pennsylvania Persische Literatur. Auf dem Poesiefestival unterhielt sie sich mit Maryam Aras.  

„Meine Gedichte kommen bei mir sowohl auf Persisch als auch auf Englisch an.“

Wir wissen von Agamben, dass in jeder Doppelsprachlichkeit wenigstens vier Sprachen stecken, die ein Eigenleben führen.

„In jeder echten Verwendung von Sprache steckt Zweisprachigkeit als Dialog von Volks- und Hochsprache.“

Eine Dichterin, so Agamben, erweckt Worte zum Leben. Das entspricht einer anthropologischen Mutation. Das Festival bietet Gelegenheit, die Avantgarde dieser Metamorphose anzuschauen.

Die phonetischen Chancen von potenter Mehrsprachigkeit sowie alle anderen Chancen mehrfacher kultureller Auswahl führen zu einzigartigen Bildern, die sich eben nicht mehr auf eine Prägung zurückführen lassen. Sie entfalten selbst Prägekraft.

Die iranische Sozialisation erfährt in der britischen Überformung eine Transition. Einverleibung, Anverwandlung und Travestie liegen an einem Ufer wie Strandgut. Man bedient sich nach seinen Vorlieben und reagiert auf Effekte. Der älteste Plunder erscheint neu. So wie ein Shakespearezitat, dass Generationen von Zöglingen anödete, aber für die Iranerin in Oxford zur Offenbarung wird.

„Ich kreiere eine Sprache“, etwa in Kombinationen von sufistischer Weisheit und Londoner Slang.

Aras bemerkte eine drastisch-direkte Ansprache.

 

Aus der Ankündigung

Shams Gedichte stellen persönliche, kunstvolle Reflektionen ihres Lebens im Exil dar, die so viele im 21. Jahrhundert betreffen. Sie berichten von Menschen, für die Heimat nur noch „eine traurige Vergangenheit ohne Ende ist“, wie es in einer Zeile von Shams heißt. Bildstark kondensiert Shams erlebtes Leid in Texte, die in ihrer Schönheit darüber hinausweisen. Mit Fatemeh Shams, Maryam Aras spricht sie übers Dichten im Exil, über Poesie und Politik.

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