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26.06.2019, Jamal Tuschick

Geflüchtete sprechen mit Geflüchteten. „Das ist meine Geschichte - Frauen im Gespräch über Flucht und Ankommen“. Der Band dokumentiert sieben harte Lebensläufe und jede Menge Hoffnung. Er konstatiert ein europäisches Versagen auf der ganzen Linie.

Schlafpfützen

Eingebetteter Medieninhalt

Im öffentlichen Gespräch über Geflüchtete sind die Geflüchteten stets Diskussionsgegenstand. Die Mehrheitsgesellschaft verständigt sich über ihre eigenen Begriffe und Befindlichkeiten. Sie geht von lauter überlegenen Positionen aus, die ignorieren, dass die meisten Geflüchteten die längste Zeit in bürgerlichen Verhältnissen gelebt haben. Nicht die Armen und Abgehängten migrieren, vielmehr illustrieren jene Büchners Fatalismus der Geschichte.

Kollektiv Polylog, „Das ist meine Geschichte - Frauen im Gespräch über Flucht und Ankommen“, mehrsprachig (Deutsch, Arabisch, Farsi, Türkisch), mit Zeichnungen von Huda Takriti, 212 Seiten, 16,-

Mobilität setzt Spielräume voraus. Auch davon ist die Rede in dem höchst aufschlussreichen Band „Geflüchtete im Gespräch mit Geflüchteten – „Das ist meine Geschichte - Frauen im Gespräch über Flucht und Ankommen“.

Kinder starben auf der Flucht in der Konsequenz verweigerter Menschenrechte. Sie ertranken nicht im Mittelmeer, sondern erkälteten sich auf den Tod in den Schlafpfützen der Lager. Manchmal gab es noch nicht einmal eine Lagerunterkunft.

Die gemeinsamen Fluchterfahrungen lassen die Differenzen umso deutlicher erscheinen. Alle habe Schreckliches hinter sich und sind merkwürdig desillusioniert. Der europäische Standard beeindruckt sie nicht. Den Berührungsängsten der Deutschen sowie kulturellen Missverständnissen begegnen sie psychologisch.

Aus der Ankündigung

Seit 2015, dem Höhepunkt der so genannten ›Flüchtlingskrise‹, hat die Abschottung und Verschärfung des Asylrechts in Deutschland und der EU massiv zugenommen. Erstarkende rechtspopulistische Bewegungen quer durch Europa schaffen ein gesellschaftliches Klima, in dem körperliche und verbale Angriffe auf Menschen mit Migrationsgeschichte immer alltäglicher werden. Doch in den hierzulande geführten Debatten kommen geflüchtete Menschen selbst kaum zu Wort – insbesondere mangelt es an Aufmerksamkeit für die Sichtweisen von Frauen als Zeuginnen der aktuellen Geschehnisse.

Mit diesem Buch fordern Frauen, die in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet sind, Kontrolle über die Darstellung ihrer Lebensrealitäten im öffentlichen Raum.

Das ist meine Geschichte dokumentiert sieben Gespräche, in denen sich Frauen in ihrer jeweiligen Muttersprache und in Deutsch über ihr Leben und die (Un)Möglichkeiten des Ankommens in Berlin unterhalten. Es geht um elementare Fragen: Welche Erfahrungen haben wir auf dem Weg der Flucht nach Deutschland gemacht? Wie wirken sich Verschärfungen im Asylrecht oder die Einschränkung der Familienzusammenführung auf unser Leben hier aus? Was erleichtert oder erschwert uns das Ankommen in der deutschen Gesellschaft? Welche Befürchtungen und welche Wünsche haben wir in Bezug auf die Zukunft?

Im Mittelpunkt dieses Buches stehen die Lebensrealitäten und Perspektiven von Frauen, die in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet sind. In sieben Gesprächen geben sie einander Antwort auf elementare Fragen: Was bedeutet die Situation als Schutzsuchende für uns im Alltag? Wie empfinden wir das Zusammenleben mit unterschiedlichen Menschen und unser Frau-Sein in einem neuen Land? Wie haben sich unsere Sichtweisen auf das Leben geändert, seitdem wir unsere Heimat verlassen mussten? Die Erzählerinnen erheben ihre Stimmen als Zeuginnen aktueller Geschehnisse und geben – mal ernst, mal humorvoll – Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen mit den (Un-)Möglichkeiten des Ankommens in Deutschland. Mit diesem Buch fordern sie Kontrolle über die Darstellung ihrer Lebensrealitäten im öffentlichen Raum.

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