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05.07.2019, Jamal Tuschick

Im Gropius Bau präsentierte Vaginal Davis gestern „Hinten Gymnasium, vorne Museum“ - eine performative Lesung, die ihrer Mutter Mary Magdalene Duplantier gewidmet ist.

Die Frau als Kraftwerk

Vaginal Davis erschüttert Berlin

Vor der Performance

The Black Image Corporation

Schwarze Schönheit ist politisch

Black Beautypower

Das erste Schwarze Mannequin glänzte erst 1974 auf einem Vogue Cover. Schwarze Schönheit war von Anfang an politisch. Sie bestimmte einen Hauptkurs der gesellschaftlichen Teilhabe-Kampagnen. Es ging um das bürgerliche Bild vom US-amerikanischen Schwarzsein. Deshalb hieß die Bürgerrechtsbewegung so und nicht marxistische Befreiungsfront. Die serielle Produktion einer Schwarzen Ikonografie startete unter dem Coverbegriff Mode. Im Fashion Fokus stand das Schwarze Selbstbewusstsein. Da löste es keine Widerstände aus. Die Emanzipation schritt auf Samtpfoten voran.

Noch bis zum 28. Juli präsentiert der Berliner Gropius Bau The Black Image Corporation. Die von Theaster Gates konzipierte Ausstellung entspricht einer recherche du temps perdu zu den stilbildenden Ursprüngen in den weiterhin existierenden Magazinen Ebony und Jet.

Da erfuhr man:

„Negro hair is a million dollar business.“

1942 gründete John H. Johnson einen Verlag. Mit Ebony schuf er ein Äquivalent zu Life Magazine, das Henry Luce 1936 in New York aus dem Fundus eines älteren Fotojournalismus-Magazins gleichen Namens geschöpft hatte. Johnson wollte, dass sich Schwarze an Schwarzen orientieren und ihre eigenen Ideale an weißen Normen vorbei postulieren.

Das war der Biedermeier-Überschriften zum Trotz revolutionär.  

Die subversive Kraft Schwarzer Schönheit zündete eine politische Ladung. Man sah nicht mehr wie durch Schlüssellöcher in Alltagsszenen des weißen Durchschnitts Verkörperungen des guten Lebens, sondern orientierte sich am eigenen Beat.  

Vor den Traumfabrikaten, den Idolisierungen & Idealisierungen las Vaginal Davis Meldungen aus der Ära, als ihre Mutter Mary Magdalene Duplantier eine Abonnentin der dem „Negro Digest“ nachkommenden und ihn begleitenden, den Bedürfnissen und Sehnsüchten der Schwarzen Hausfrau angepassten Periodika war. Sie ging aus von der Jet-Nationalfeiertagsausgabe im Jahr 1956. Historische Unterweisungen flankierten in einem Klatschmantel Dokumentationen von Diskriminierungen, die als Alltagserfahrungen erfasst wurden und institutionalisierte weiße Übergriffigkeit sehr sachlich markierte.

Es ging um Benennung. Darum geht es noch.

Vaginal Davis unternahm eine Zeitreise für ihr verzücktes Publikum. Niemand konnte davon absehen, dass sich ein in Schale geworfener Hammer von einer Frau gegen rassistische und sexistische Ungerechtigkeit aussprach – als ein Mensch gewordener Einwand gegen die Barbarei der heteronormativen weißen Vorherrschaft.

Nachtrag

The Black Image Corporation  

“That’s, where everything began.”

Das sagte der afroamerikanische Choreograf Mac Folkes bei der Ausstellungseröffnung vor ein paar Monaten.  

To lift them up

Schwarze Frauen, so Folkes, bildeten in der amerikanischen Hierarchie des frühen 20. Jahrhunderts „den Bodensatz“. Auch dagegen wirkte die fotografische Ikonografie Schwarzer Schönheit.

Black Versions of Glamour

Ebony funktionierte als Repräsentanz und normative Kraft. Schwarze Traumpfade der Normalität zeichnete das Magazin vor und nach.    

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