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05.10.2018, Jamal Tuschick

Der Solist als Killer - Florian Hartleb über einen "neuen Terrorismus rechter Einzeltäter".

Nachtflüge unter dem Radar

Florian Hartleb erwartet eine weltweite Zunahme terroristischer Attacken in allen Spielarten der Korporation. Von den Organisierten und Vernetzten unterscheidet der Politologe und Gerichtssachverständige die Einzelgänger. Er schildert sie als einsame Wölfe.

Florian Hartleb, „Einsame Wölfe – Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“, Sachbuch, Hoffmann und Campe, 252 Seiten, 22,-

Hartleb charakterisiert die Isolierten in einem Spektrum zwischen Autonomie und Erbärmlichkeit. Sie radikalisieren sich im Ideenwahn an Rechnern. Bis zur Tat existieren sie, sozial lethargisch und „bindungsunfähig“, in einer viralen Blase voller Plattformen, Netzseiten und virtuellen Konferenzräumen. In dieser Sphäre rekrutiert und animiert auch al-Qaida in Konkurrenz mit den Spin Doctors des Rechtsextremismus. Da kursieren Verschwörungstheorien und Bombenbaupläne für den ökumenischen Hausgebrauch. Theoretisch kann sich ein rechtsradikaler Solist mit islamistischen Fitnessprogrammen in Form bringen.

„Der Rechtsradikalismus und der Islamismus sind die perfekten Feinde, die sich gegenseitig stark machen.“

Aus der verborgenen Devianz in die offene Delinquenz

Kurz gesagt, es braucht nicht mehr für einen Schlag in das Gesicht einer Gesellschaft, als das Internet bereithält. Fast scheint es, als kreiere das Internet einen Tätertypus, der allein und aus dem Nichts einer scheinbar gelungenen Anpassung einen Gewaltgipfel anstrebt.

„In der Ideologie des Hasses bündelt (der Internet Isegrim) all seine negativen Energien.“

Hartleb erkennt in dem rechtsradikalen Massenmörder Anders Behring den Prototyp des einsamen Wolfs. Ihm folgte, sich auf Behring berufend, David Sonboly, der 2016 achtzehnjährig neun Menschen erschoss und fünf weitere verletzte. Alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund. Trotzdem ging Sonboly als Amokläufer in die Statistik ein. Hartleb wirft den Ermittlungsorganen vor, zwischen Amok und Terror nicht richtig zu unterscheiden.

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