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08.10.2018, Jamal Tuschick

Beate Zschäpe auf dem Prenzlauerberg

Lux Sarona

Vor türkischem Spätkauf/Prenzlauer Allee

 „Allet schick wa, aber sag ma´, wie hieß denn die eine Gemeine?“

„Wer jetzt?“

„Weeste nich, wa.“

Zur Situation: Es sitzen zwei Abkömmlinge der indigenen Bevölkerung des Prenzlauer Bergs, in Kneipen verwitterte Urgesteine, der eine dick, der andere dünn, vor einem Spätkauf, in dem eine mürrische Alte bedient. - Türkin der zweiten Einwanderungsgeneration, ihrem Publikum ferner als der Mond.

„Die – weeste doch?“

„Nee, wees ick überhaupt nich. Kann ick dir nischt zu sagen.“

Der Dicke klopft seine Plautze: „Ist allet fest, wa. Ick ess nur Nervennahrung.“

Sein Fett überzieht ihn wie eine Krankheit. Er kommt auf sein Thema zurück, eine Hand wandert aus dem Geschehen, es geht um eine Solistin im Schlagerfach der DDR. Keiner kommt auf den Namen der Solistin, aber jedem liegt er auf der Zunge, die Bedienung sagt, was ihr einfällt. Nicht, dass sie gefällig erscheinen möchte. Nur, so geht die Zeit rum.

„Nee“, empört sich der Dicke, „ich habe doch gesagt: Solistin aus der DDR.“

Der Dünne listig: „Ick habs, ditte is die Beate Zschäpe.“

Er beobachtet die Türkin, ob sie ihm auf die fiesen Schliche kommt. Sie zeigt keine Reaktion, kann sein, dass Beate Zschäpe ihr nichts sagt.

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