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15.10.2018, Jamal Tuschick

Ein Einwurf von Lux Sarona im Lauffeuer von #unteilbar #wirsindmehr

Migrantisches Wir

Als wir einmal wirklich viele waren, sah Lux Sarona den Banner Ossis gegen Rechts und da dachte sie: Die können Revolution.

Entweder drehen sich politische Nachrichten um Kriege, drohende Kriege oder um Migration.  

In der Bestandsaufnahme von Jana Hensel und Wolfgang Engler „Wer wir sind – Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ wird ein „Wir“ formuliert, das zu der Frage Anlass gab: Gibt es dreißig Jahre nach dem Mauerfall überhaupt ein ostdeutsches „Wir“ – einen politischen Plural. Jana Hensel antwortete: Wir, also die Autor*innen, sind uns bewusst, dass das „Wir“ eine rhetorische Figur ist.

Interessant finde ich die Frage, ob es über solch eine Konstruktion hinaus so etwas wie ein migrantisches „Wir“ gibt und sei es als poetischen Plural, der einer Einlassung von Sven Regener entgegen treten könnte, der zuletzt feststellte: „Unsinnig ist es, Migranten, Einwanderern oder Flüchtlingen eine kollektive Identität zu verleihen: Die sind alle islamistisch, haben ein verkorkstes Frauenbild und sind sexuell übergriffig.“

Sie sehen, worauf es hinausläuft: auf negative Zuschreibungen, die vor jedem anderen Text da zu sein scheinen, als wären sie aus einem Automaten gezogen worden.

Ich möchte, mich anschließend, noch einmal auf Jana Hensel zurückkommen. Sie sagt, sie sei als Kind und Jugendliche stets selbstbewusst gewesen und habe erst nach ihrem literarischen Debüt, „Zonenkinder“, die Fragilität ihrer Sprecherposition bemerkt. „Ich begriff, dass ich aus einer Minderheitenposition spreche, als Frau, als Ostdeutsche. Diese Erfahrung des schockhaften An-den-Rand-Gedrängt-Werdens hat mich über mein Leben anders nachdenken lassen. Mir ist es wichtig, Minderheiten zum Sprechen zu bringen und Minderheitenrechte zu schützen. Das ist eine Folge meiner ostdeutschen Biografie.“

 

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