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17.10.2018, Jamal Tuschick

Ende der 1950er -, Anfang der 1960er Jahre ist Melvin Lasky für den „Encounter“ ständig in Afrika. Er trägt noch die koloniale Brille, weiß aber schon, dass „ein neuer Rhythmus die Welt durchdringen und eine bisher unbekannte Farbe ihren Platz im Regenbogen suchen wird.“ (Paul Niger) 

Weißer Weltgeist

Paul Niger

Ende der 1950er -, Anfang der 1960er Jahre ist Melvin Lasky für den „Encounter“ ständig in Afrika. Er trägt noch die koloniale Brille, weiß aber schon, dass „ein neuer Rhythmus die Welt durchdringen und eine bisher unbekannte Farbe ihren Platz im Regenbogen suchen wird“ (Paul Niger). Seine Metaphorik schillert trotzdem zwischen „dunklem Kontinent“, dem „Mythos Daressalam“, der „Magie von Sansibar“ und der Afrikalogik eines nach den Weisheiten anglo-amerikanischer Geheimdienste modifizierten Henry Morton Stanley. Nichts deutet daraufhin, dass irgendetwas, Revolutionen nicht ausgenommen, die weiße Suprematie beenden könnte. Die neue Farbe im Regenbogen würde inferior sein als Signatur eines hybriden Formats. Der Weltgeist würde weiß bleiben und weiterhin weiße Sprachen sprechen. Lasky betrachtet „die bunte Pracht der Unabhängigkeitsfeiern“ so wie das deutsche Wirtschaftswunder, als Geschenke der freien Welt, die nicht immer dankbar genug angenommen werden.

Lasky denkt in Blöcken. Er raucht seine Pfeife auf einem Grat zwischen Hegemonien. Afrika, das ist für Lasky Johannesburg auf der einen Seite (wo der weiße Mann seinen Fuß hingesetzt hat, entsteht eine Stadt) und irgendwelche Westküstenslums auf der anderen Seite, als Leistungsverweigerungs- oder Unfähigkeitsbeweis des sich selbst überlassenen Afrikaners.

Lässt sich etwas Bizarreres an dieser Stelle einfügen, als die Tatsache, dass es Weißen in Afrika möglich ist, rassenideologisch vorzugehen?

Versteht man das als Bindungen der Zeit, lohnt es sich, noch einmal zu lesen, wie Afrika in einer Hochzeit der Ostwestkonfrontationen und der Freiheitskämpfe gedacht wurde. Das afrikanische Tempo macht aus jeder Einordnung binnen Monaten Makulatur. Die Begriffe fallen wie Kegel.

Worauf sich stützen?

Ist Afrika demokratiefähig? Was ist Afro-Kommunismus?

Der Journalist setzt vieles in Anführungszeichen, einschließlich diverser Kategorien afrikanischer Kultur. Da erscheint ihm nichts selbstverständlich. Das N-Wort setzt er nicht in Anführungszeichen. Das erscheint ihm selbstverständlich. „Wird der authentische … aus seiner Wesenheit gesteuert? Oder ist man ein …, so wie man der Gläubige einer Religion ist? Ist das N-sein eine Tatsache oder ein Wert?“

Lasky zitiert Janheinz Jahns Idee von einer neoafrikanischen Kultur, die ihren Ursprung und ihre Referenzpunkte nicht in den europäischen Nationalfonds, den Hochsitzen der Nationalmythen und -hymnen hat, sondern in einer emanzipierten Perspektive, die sich „dem eu­ropäi­schen Urteil“ nicht unterwirft und eine „brauchbare Vergangenheit“ außerhalb der europäischen Traditionen kreiert.

Das sind Sezessionen auf einem Plateau westlichen Denkens. Es sind Versuche, die Waffen des Gegners gegen ihn einzusetzen. Es sind Fortsetzungen der Freiheitskämpfe mit anderen Mitteln. Die unabhängigen Staaten werden über die kolonialen Währungen Franc und Sterling dirigiert sowie über die Bündniszugehörigkeit. Ein Schlagwort lautet „positive Neutralität“.

Bald mehr.

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