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25.10.2018, Jamal Tuschick

Ein Geburtstagsgruß

Ein Nabel der Republik - Dem MÄRZ-Verleger Jörg Schröder zum Achtzigsten

Jörg Schröder und ich

Keinen Wichtigeren

Schröder erzählt und erzählt – gemeinsam mit Barbara Kalender

Das Label Kalender und Schröder bezeichnet ein Autorenpaar in Wohngemeinschaft. Ich kenne keine sonnigere Verbindung. Kalender/Schröder kollaborieren wie in einem Spiel. Sie wetten auf das treffende Wort, es zu finden, ist ihr alltägliches Vergnügen. Wo anfangen bei Jörg Schröder? Aufhören geht in seinem Fall sowieso nicht. Erst mal herzlichen Glückwunsch – gestern wurde er 80 Jahre alt. Schröder war Schloßherr und Jaguar- (Fahrzeug-)Halter. Sein März Verlag motorisierte den gesellschaftlichen Aufbruch der ausgehenden 1960er Jahre. In einem historischen Augenblick lag ein Zentrum des geistigen Deutschlands in Darmstadt. Da wurde März aus einem Keller gehoben. Die Gründungsgeschichte ist ein Krimi und außerdem ein Mythos der alten Bundesrepublik. Ein Nabel der Republik ist Schröder geblieben, ich meine, es gibt keinen wichtigeren Er (bsen)zähler als ihn in Deutschland. Er schreibt in die kleinsten Karos und schöpft zugleich aus dem Vollen einer Verdopplung. Barbara Kalender vernimmt man seit Jahrzehnten als zweite Stimme. Die Autor*innen entwickeln ihre Geschichten im Gespräch. Man konnte die Gespräche auch schon in einer Zeitung lesen. Die Sprecharien haben einen rheinländischen Ursprung. Als junger Mann wurde Schröder mit allen Kölnisch Wassern gewaschen, in Kneipen hörte er begnadete Schwadroneure ab. Deren Operetten wurden komponiert aus Mundart und Volksmund. Jeder Erfahrung prägten sie ein Wort ein. Das Wort mußte die Erfahrung transzendieren. Es saß, paßte und hatte Luft, wenn es sich gegen den Strich bürsten ließ. Der Mensch mochte sich verbiegen und unverfroren auf Neustarttasten im Himmel wie auf Erden hoffen, wenn nur die Erkenntnisse neu und prägnant waren.

Die altrheinische Prägnanz liefert dem fortlaufenden Kalender/Schröder-Text die Grundlage. Sämtliche Überlieferungen erfolgen darauf spiralig von hinten durch die Faust ins Auge. Ihre größten Fische ziehen die Autor*innen aus Bagatellen an Land. Gewöhnen sie sich im Urlaub das Rauchen ab, an sich ein ganz normaler Vorgang in der zweiten Lebenshälfte, dann friert in ihrem Fall Frankreich bis zum Mittelmeer ein. Da ist dann auch der sprichwörtliche Hund verfroren und will mit nach Deutschland. Dies als Amuse-gueule aus »Nichtrauchen ist ungesund«.

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