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29.10.2018, Jamal Tuschick

Code of Silence

Gisela Getty

Jutta, Gisela, Jamal

Es gab diesen Augenblick, wo ich sie zum ersten Mal unschlüssig und ängstlich erlebte: diese wahnsinnig mutigen Expeditionsexpertinnen. Sie hatten Unglaubliches überstanden auf ihren Reisen in die Innenwelt und Außenräume. Das sind Kosmen, die wir begreifen. Gewiss gibt es mehr als Himmel und Erde und der Teufel ist auch nur ein Agent Gottes. Das war der Zwillingsstandpunkt, grob gesagt. Die Schwestern lokalisierten ihn in einem Koordinatensystem, das sich aus Markierungen der geistreichsten Navigatoren in der Dekade des zweiten globalen Umbruchs im Nachkrieg Anfang der Siebziger ergab. Der Sommer der Liebe war blutig zu Ende gegangen. Die Hippiehabitate dienten traumatisierten Vietnamveteranen mit LSD-Psychosen als Therapietanks. Nachts fuhren sie in die Mojave-Wüste und schossen mit den Winchesterbüchsen ihrer Großväter auf phosphorizierende Kakteen. Die Master of the Universe rauchten sich auf den Terrassen ihrer Bunkervillen in den Hollywood Hills die Köpfe strohig. Gisela und Jutta Schmidt-Winkelmann-Getty aus Kassel führten ihre Gespräche mit Dennis Hopper und Bob Dylan. Sie interessierte nur die Hirnpotenz der Protagonisten, die Performance im Bett war nicht interessant.

„Wir trugen unsere Mädchenpanzer“, erinnert sich Gisela ein halbes Jahrhundert später in einem dieser newyorkigen Hotels in Berlin-Mitte. Sie hat sich gerade von dem einzigen Mann ihres Lebens getrennt; er konnte ihr siebenstöckige Orgasmen bereiten; ein Franzose, verwandt mit altem Geld; das Edelfieber tobt sich in Gisela nach wie vor aus.

„Alle anderen waren Jungs.“

Der größte Junge von allen war Paul Getty, ein Enkel des damals reichsten Mannes der Welt, verheiratet nicht allein mit Gisela, sondern auch mit Jutta – dem erloschenen Zwilling.

Damals, als wir darüber redeten, wie der Swing zwischen Kalifornien und Rom – Hollywood und Malavita war, spürte ich zum ersten Mal eine Rücktrittsbereitschaft von der Rückhaltlosigkeit.

An sich kann man keine halben Sachen machen als Astronautin.   

Gisela und Jutta hatten Angst vor der Mafia. Immer noch. Jahrzehnte nach dem halben Ohr verpflichtete sie, die alles preisgeben wollten, das Gesetz des Schweigens - Omertà.

Ich konnte erst nicht glauben, dass da Angst war. Und es gibt noch eine Angst. Davon erzähle euch vielleicht nächste Woche.

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