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01.11.2018, Jamal Tuschick

Auf häretischen Strömungen des Sufismus schwappen Barken gewaltfreier anarchistischer Koranauslegungen. Im Sufismus steckt die Graswurzelrevolution. Sie widerspricht der Orthodoxie und dem Fundamentalismus.

Die freien Frauen von Darayya

Der arabische Frühling ließ 2011 auch „die freien Frauen Darayyas“ in Erscheinung treten. Die Aktivistinnen fanden sich bei den großen Demonstrationen. Darayya ist eine Vorstadt von Damaskus - und eine Bastion der Zivilcourage, von der schon jahrelang progressive Kampagnen ausgingen. Im April 2011 forderten die Frauen die Freilassung von Kriegsdienstverweigerern. Das Assad Regime forcierte die übliche Repressionspraxis. Ein irreführender Erfolg war die Aufhebung der damals seit achtundvierzig Jahren verhängten Notstandsgesetze.

Bald schoss die Armee in die Menge. Die Frauen demonstrierten weiter, Gefangenschaft und Tod in Kauf nehmend. Sie auch auf andere Aktionsformen aus. Sie organisierten Workshops und organisierten Öffentlichkeit im Internet. Einen Baum dekorierten sie mit den Namen von gefangenen Dissidenten. Mit Lebensmittelfarbe färbten sie das Wasser in den öffentlichen Brunnen rot. Sie trafen sich zu Malstunden auf öffentlichen Plätzen.

Das war die Graswurzelebene des Widerstands. Ich beziehe mich auf die von

Guillaume Gamblin, Pierre Sommermeyer und Lou Marin herausgegebene Dokumentation „Im Kampf gegen die Tyrannei“, erschienen im Verlag Graswurzelrevolution.

Die Textsammlung gestattet eine exakte Phasenbestimmung. Der außerparlamentarischen Vehemenz des ersten Durchgangs folgen Ausweichmanöver mit dezidiert zivilgesellschaftlichem Protestcharakter. Der Showdown war ein Generalstreik im Dezember 2011. Kurz darauf setzte massenhafte Flucht ein. Generäle, die sich von Assad distanzierten, nahmen ihre Truppenteile mit auf die Gegenseite, fassten sich in der Freien Syrischen Armee zusammen und militarisierten so den Widerstand an den Vorstellungen sozialer/ziviler Netzwerker vorbei.   

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