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13.11.2018, Jamal Tuschick

Der #metoo Moment - Wenn Frauen Rache üben - Der Feind soll noch nicht mal Wasser haben - Lina Wolff fordert mehr Härte im Kampf gegen übergriffige Männer.

Magischer Feminismus

Lina Wolff im Haus der Nordischen Botschaften 

Die Schwedin Lina Wolff unter passender Landschaftsaufnahme 

Sie übersetzt aus dem Spanischen ins Schwedische. Von den großen Spaniern lernte Lina Wolff geradeaus zu schreiben und die schwedischen Umwege der Verklausulierung zu vermeiden.

Das sagte die soeben mit dem wichtigsten schwedischen Literaturpreis ausgezeichnete Autorin auf einer Bühne der Berliner Repräsentanz skandinavischer Länder.  Die Nordischen Botschaften sind ein Architektur gewordener Lichtblick – eine aufgeräumte Angelegenheit, die mich Ikea noch einmal anders verstehen lässt. Wolff behauptete, die Auserwählte ihrer Figuren zu sein. Sie verglich das Schreiben mit dem Schachspiel. Ihr letzter Roman, „Die polyglotten Liebhaber“, wurde als „aufmüpfiges Märchen“ und „fundierter Schlag ins Gesicht“ beschrieben. Er ist auch eine Abrechnung mit Michel Houellebecq, den Wolf als Schriftsteller zwar schätzt, dessen Frauenbilder sie aber furchtbar findet.

Das ist das Hauptthema: weibliche Rache im Spektrum des magischen Feminismus. Wolff schildert ermächtigte Frauen, die im Auge-um-Auge-Modus und nach der spanischen Formel „Der Feind soll noch nicht mal Wasser haben“ Männer mit ehrgeizigen Herabsetzungsphantasien oder die ehrgeizigen Herabsetzungsphantasien von Männern bekämpfen.

Lina Wolff, „Die polyglotten Liebhaber“, aus dem Schwedischen von Stefan Pluschkat, Hoffmann und Campe, 283 Seiten, 22,-

Max ist so ein Kandidat. Der polyglotte Liebhaber verletzt eine Rezeptionistin, die nach Schnaps stinkt und generell etwas Abgestandenes an sich hat und Max mit nichts in die Wolken locken konnte (im Verlauf einer singulären Nachtaffäre) mit der schlichten Wahrheit ihrer Reizlosigkeit. Im Gegenzug verflucht sie ihn – plötzlich obenauf.

Zwischen fünfzig und sechzig Fassungen erzeugt Wolff von jedem Text. Im Chaos der Varianten sich zurechtzufinden, ist folglich geboten. Sie wirft ihrer Rezeptionistin vor, so dumm gewesen zu sein, Max (stellvertretend für den selbstherrlichen Mann in all seinen Erscheinungen von Weinstein bis Einstein) die Definitionshoheit überlassen zu haben in der Manier von: Findet er mich hässlich und fad im Bett, dann bin ich hässlich … Gegen diese Anmaßung trommeln nun, so Wolff, mehr und mehr Frauen die Welt zusammen und üben Rache, Rache, Rache.

Das sei der unbedingt notwendige #metoo Moment.

In Wolffs neuem Roman trifft die Kampfkünstlerin Ellinor einen Kulturjournalisten, der wie „ein Stück Scheiße“ behandelt werden möchte. Ellinors Credo lautet: „Es gibt kaum was Besseres im Leben, als sich zu prügeln.“

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