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25.11.2018, Jamal Tuschick

Raus aus dem patriarchalen Geschlechtervertrag

Christa Ritter, fotografiert von Christine Koch

Es ist ein halbes Jahrhundert her, da war ich plötzlich nicht mehr schüchtern. Ich tanzte für kurze Zeit auf fast allen Hochzeiten. Alles ist möglich! Dann aber wurde es plötzlich finster. Und das Patriarchat mit seinem herzdämpfenden Kapitalismus war zurück. Natürlich versuchte ich mich wieder auf die Wolke der vielen Hochzeiten zu retten: Guru, Therapie, Alt-Patriarchales griff nicht wirklich. Aber ich versank in merkwürdig feministisches Grundklagen. Hass auf die Männerwelt, das Patrirachat, das immer noch das bessere Leben verhinderte. Daran kann ich heute den Starting Point eines langen, sehr langen Weges sehen, den ich ein paar Jahre später durch die Gemeinschaft mit vier Frauen und einem Mann entscheiden begann. Selbsterkenntnis, mich statt die Männer zu hinterfragen, nur da könnte es gehen. Aber ich war zunächst Opfer, wusste nicht, wer ich bin, vergaß immer entschiedener mein kurz erprobtes post-gender Gesicht und gab seitdem dank heftiger Erschütterungen in unserem Labor nicht auf. Was will ich, was will die Frau? Diese Frage kann ich noch immer nicht beantworten. Meine Antwort ahne ich nur, nähere mich mir, immerhin.

Mein tröstendes Fleißkärtchen: Ich bin jetzt schon 40 Jahre drangeblieben. Woran? Hier auf FB gibt es Stimmen, die Attacke reiten: Du drehst dich im Kreis. Und das nennst du Arbeit? Tatsächlich überwiegen auch meine dunklen Tage noch immer und ich sehe häufig Stillstand. In der Welt nur noch Frauen, die sich wie eh und je an Männer hängen. Damit sie geliebt werden. Oder höchstens #metoo: In der hässlichen Welt des Patriarchats wollen sie teilhaben und genauso viel verdienen wie die Männer, Karriere auch ohne Besetzungscouch. Frauen sind ganz schön mutlos geworden? Die Männer ähnlich? Jedenfalls wollten wir alle mal richtig raus aus dem patriarchalen Geschlechtervertrag, den wohl wir Frauen vor Jahrtausenden mal mit verhandelten.

Wo ist unsere post-moderne Chuzpe geblieben? Ich habe sie nicht im Keller begraben. Aber es dauert und der Widerstand ist gewaltig. Weiß ich von mir. Aber ich bleibe dabei: Alles Eva-Adam-Bezogene ist in Auflösung begriffen. Bei mir, vielleicht auch bei dir. Schau dich lieber mal an, wo du auf diesem Weg stehst und fühle dich. Deine eigene Sehnsucht nach authentisch Menschlichem, einer anderen Welt. Ich weiß, die Verzweiflung über die eigene Trägheit meckert immer, will einschüchtern. Schon nach einem kleinen ersten Schritt brüllt die alte Eva, der träge Adam, der Widerstand. Das Patriarchat ist ein mächtig Ding. Nada! Es geht vorbei, weiter, weiter....

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