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30.11.2018, Jamal Tuschick

Matangi/Maya/M.I.A.

Manchmal klingt sie wie Mick Jagger. Während dieser Methusalem des Rock nur egoistische Botschaften verbreitet, begreift sich Mathangi Maya Arulpragasam aka M.I.A. als Sprecherin einer von Pogromen bedrohten Minderheit – der Tamilen in Sri Lanka. Ihre Popularität stellt M.I.A. in den Dienst ihrer humanitären Sendung. Die Tochter eines Revolutionärs kam als Flüchtling nach London. Migration ist ihr zweites großes Thema. Ihre Karriere begann als Netzzeit-Märchen auf MySpace in der Ära einer rasend schnell wachsenden Gemeinschaft. In einem Augenblick war M.I.A. ein weltbekanntes Untergrundphänomen. Maßgeblich beteiligt am Erfolg war Thomas Wesley Pentz aus Tupelo, Mississippi, bekannt als DJ Diplo. Er bearbeitete Lieder von M.I.A. in einem Londoner Club und stiftete so einen Hype. Im kommerziell besten Jahr von Amy Winehouse verkaufte M.I.A. mehr Platten als die Soulistin.  

Matangi/Maya/M.I.A., England 2018. Regie: Steve Loveridge.  

Das alles kommt in der mit vielen Schnipseln aus M.I.A. privatem Fundus angereicherten Mashup-Dokumentation „Matangi/Maya/M.I.A.“ zur Sprache. Ich sehe den Film im Lichtblick Kino schon wieder in einem greisen Personenkreis. Sollte M.I.A. den Alten vom Prenzlauer Berg den Soundtrack des letzten Aufbäumens geliefert haben?

Jemand nennt ihre Musik „infektiös“.

Ständig rennt einer aufs Klo. Das Klo ist ein Hinterhofkleinod.

Die Künstlerin erscheint burschikos. Man sieht sie auf sämtlichen Kontinenten jet-setten und hip shoppen, sie dampft in allen Gassen. Den Tanzbilderbogen unterbrechen ein paar Informationen zur Lage der Tamilen in Sri Lanka.

Einmal sagt M.I.A. über eine Kollegin: „Sie hat zwar ein Mikrofon, aber nichts zu sagen.“ Ursprünglich sollte der Film ein Tour Report werden, ausgehend von einer Amerikatournee 2009. M.I.A. war für den Emmy und den Oscar nominiert und schwanger von dem Milliardär Benjamin Bronfman.

Regisseur Loveridge montierte das Material an den Erwartungen seines Stars vorbei. M.I.A. war mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Der Film zeigt aber die Substanz der Künstlerin. Ihre Kraft kommt aus dem Engagement, findet Verstärkung in der Kunst und vollendet sich in der Persönlichkeit so wie sie die Persönlichkeit vollendet.

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