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13.12.2018, Jamal Tuschick

Feministische Selbstverteidigung bedeutet, „allen schwächenden Denkfiguren die Macht zu nehmen“ - „Die schönen Kriegerinnen – Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert“ - Der Band versammelt technofeministische Positionen aus Kunst und Aktivismus. In sieben Aufsätzen kommt das Verhältnis von Technologie und Geschlecht zur Sprache.

Das Internet als Amazonenreich

Der Band versammelt technofeministische Positionen aus den Bereichen Kunst und Aktivismus. In sieben Aufsätzen kommt das Verhältnis von Technologie und Geschlecht zur Sprache. Herausgeberin Cornelia Sollfrank erkennt in On- & Offline nicht länger getrennte Sphären, sondern ein Kontinuum permanenter Performance. Sollfrank erinnert im Vorwort an Donna Haraway, die vor dreißig Jahren bereits wusste, dass es außerhalb der Technologien kaum Überlebenschancen gibt. Sie zieht die Linien vom Cyberfeminismus der Neunzigerjahre mit seinen verspielten techno-hybriden Identitäten zu einer verschärften Gegenwart. Sie zitiert Haraway: „Wir müssen uns in Kriegsführung üben.“

„Die schönen Kriegerinnen – Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert“, Essays, herausgegeben von Cornelia Sollfrank, transversal.at, 221 Seiten, 15,-

Sollfrank schildert das Internet als potentielles Amazonenreich sowie als Arena utopischer Kämpfe zur „Verqueerung machtvoller Dichotomien“ auf dem Weg in eine feministisch kodierte Wirklichkeit. Ihr folgt Sophie Toupin mit einem Text über „Feministisches Hacking“. Sie berichtet, wie eine indische Aktivistin Attacken etwa auf Twitter kontert. Der „feministisch technologische Widerstand“ konzentriert sich in weltweiten Projekten, die zum Beispiel „Zero Trollerance“ heißen und Online Mobbing von netzaffinen Feminist*innen mit Spam-Manövern beantworten.

Body Hacking

Zur sozialen Solidarität kommt die technische und umgekehrt. Auch Körper können, so schreibt Toupin, gehackt werden. Hier trifft sich wieder On- & Offline in einer Übergangspolitik zwischen „digitaler und realer Welt“. Spideralex geht noch weiter, namentlich bis zu dem Punkt, wo die Erfindung neuer Welten“ möglich erscheint. Sie bündelt Stimmen von Aktivistinnen in einem kosmischen Plural – „Wir berichten aus einer eigenen Galaxie – mit ihren Menschen, Kollektiven, Netzwerken; mit ihrem Vokabular, ihren Codes und Sprachen“. Spideralex etabliert „eine kriminelle Allianz von Patriarchat und Kapitalismus“, der „schwesterliche Liebe (Sororität)“ im Streitmodus entgegengebracht wird. Unter den Galaktischen sind „Frauen, Genderdissident*innen, Nicht-Binäre und LGBTIQs“. Sie bauen „Selbstverteidigungsprojekte in einer lebensfeindlichen Welt“ auf.

Feministische Selbstverteidigung

Feministische Selbstverteidigung bedeutet, „allen schwächenden Denkfiguren die Macht zu nehmen und sich selbst dazu zu ermächtigen, die patriarchalische Symbolordnung zu unterwandern“.

Spideralex erwartet „den Ruf einer anderen möglichen Welt“. Sie und ihre Kompliz*innen wollen das Internet feministisch aufforsten, ihre Daseinsform ist die Aktion.

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