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19.12.2018, Jamal Tuschick

Eine Tagung erinnerte in Berlin an „Aufbrüche und Widersprüche eines Revolutionsparlaments“.

Wem gehört die Stadt?

Von rechts: Johanna Strunge (Universität Göttingen, Reinhard Wenzel (August-Bebel-Institut), Miguel Sanz Alcántara (15M, Madrid/Berlin)

Hundert Jahre Revolution

Drei Polizisten frieren an einem Trottoirsaum der Klosterstraße in der Kälte. Undenkbar, dass einer mit der Kippe im Mundwinkel den Verkehr regelt, so wie ich es vor ein paar Tagen in Neapel bei einem Carabinieri gesehen habe. Mein Chauffeur sagte, man müsse sich nur anschnallen, wenn man Probleme mit der Polizei habe. Die hatte er offensichtlich nicht.

Gegen meine Gewohnheiten bin ich schon tagsüber unterwegs. Die Tagung meiner Wahl erinnert an „Aufbrüche und Widersprüche eines Revolutionsparlaments“.

Vom 16. bis 20. Dezember 1918 kamen im Berliner Abgeordnetenhaus Arbeiter- und Soldatenräte aus ganz Deutschland zu einem Kongress zusammen. Mit ihrem Beschluss, Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung abzuhalten, ebneten sie den Weg zur parlamentarischen Demokratie. Daneben aber fassten die Delegierten noch eine Reihe weiterer wichtiger Beschlüsse. So sprach sich eine große Mehrheit für eine grundlegende Demokratisierung des Militärs aus und forderte eine Sozialisierung aller dafür als «reif» befundenen Industriezweige. Diese heute meist vergessenen Beschlüsse setzten Signale für eine weitergehende Umwälzung der Gesellschaft. Die Zusammensetzung und Beschlüsse des Rätekongresses im Dezember 1918 sind aber auch Ausdruck einer widersprüchlichen revolutionären Bewegung. Die Vergangenheit wirft Schlaglichter auf die Gegenwart.

Auf der Tagung soll es nicht nur um die historische Einordnung der damals gefassten Beschlüsse gehen, sondern auch um die Frage, wie aktuell sie nach einhundert Jahren noch sind. Wie würden sie heute formuliert werden? Was müsste zusätzlich in den Blick genommen werden?

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit: August-Bebel-Institut, Gedenkort Friedhof der Märzgefallenen, Münzenbergforum Berlin und Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.

Wird fortgesetzt.

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