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24.12.2018, Jamal Tuschick

„Flame” war der erste Film über den Unabhängigkeitskampf in Simbabwe. Der Film stieß auf massive Ablehnung, Proteste von Veteranen lösten vorübergehend sein Verbot aus. Regisseurin Ingrid Sinclair zollt mit „Flame” den weiblichen Kombattanten der Zimbabwe African National Liberation Army (ZANLA)Tribut. Der Film ist eine Art Ehrenmal und doch von Glorifizierung weit entfernt. Stern des Geschehens ist Florence (Marian Kunonga), deren Nom de guerre dem Film seinen Namen gibt.

Jede ZANLA-Freiwillige legt zum Schutz der Familie ihren Namen ab. Viele trumpfen mit starken Kampfnamen wie Che oder Mao auf. Florence strandet weit entfernt vom magischen Denken. Ihr fällt kein Name ein. Der Blick streift einen alltäglichen Vorgang. Jemand zündet eine Zigarette an. Florence wählt die Flamme ohne Pathos und Rücksicht auf Konnotationen. Sie scheint der Gegenwart von 1975 mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit zu gehören. Nie zieht sie eine entlegene Deutung heran.

Zimbabwe, 1996. Regie: Ingrid Sinclair 

Flame zieht ihre beste Freundin in den Krieg, der Chimurenga genannt wird. Nyasha-Liberty (Ulla Mahaka) trägt eine andere Sendung als Flame. Sie will studieren, Liberty lebt mit Büchern. Sie erreicht ihre Ziele nicht im Kampfanzug. Trotzdem geht sie gemeinsam mit Flame durch die harte Schule eines ZANLA-Ausbildungslagers in Mozambique. Die Freundinnen kämpfen im Camp gegen ihre Verdinglichung. Sie hungern, während sich die männliche Führungsriege selbst privilegiert. Der Film zeigt mehr als ein Dilemma. Entscheidungen definieren stets die kleineren Übel.

Flame stellt den Mann, der den Säufer, der ihr Vater war, an rhodesische Streitkräfte verraten hat. Der Verräter behauptet, keine Wahl gehabt zu haben. Flame entgegnet: „Man hat immer eine Wahl.” Sie verbindet sich mit dem Mann, der sie in einer Vergewaltigung schwängert. Der Mann und das Kind sterben bei einem Luftangriff. Flame wärmt die Beziehung zu einer alten Flamme auf – Genosse Danger.

Die unheroische Auffassung eines Freiheitskampfes hält der Film nicht durch. Flame avanciert zur Elitekämpferin mit Kommandogewalt. Der Waffenstillstand trifft sie unvorbereitet. In einer Schlüsselszene legt sie ihre Waffen ab. Sie entwaffnet sich selbst. Im nächsten Augenblick folgt sie Danger in die Unfreiheit eines ländlichen Ehelebens. Eine lange Zeit willigt sie in ihre Unterdrückung ein. Die Geschichte wiederholt sich, Danger wird zum Trinker. Flame verlässt ihre Familie, sie findet Liberty in Harare. Den Heroes‘ Day von 1990 erleben die Freundinnen im Kreis der Gefährten – den letzten Zeugen ihrer bewaffneten Beiträge. Während der Volksmund längst Prostituierte aus den weiblichen Partisanen gemacht hat.

 

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