MenuMENU

zurück zu Main Labor

24.05.2018, Jamal Tuschick

Adela Bravo auf einem Berliner Friedhof

Alle biologischen Erklärungen sind Ausreden

„Es muss hier und jetzt passieren“, sagt Adela Bravo.

Hier und jetzt vergammelt ein Nachmittag auf dem unchristlichen Friedhof an der Pappelallee. Adela Bravo stammt aus dem Norden Spaniens. Sie wächst heran als Lieblingsnichte eines dem Theater verfallenen Onkels in Madrid. Im sagenhaften Olimpia-Theater sieht die Vierjährige Rodando Rodan. Nun kennt sie ihre Bestimmung. „Theater ist keine Kunst“, sagt Adela Bravo. „Theater verfolgt soziale Ziele.“

An der Escuela Técnica Superior de Arquitectura de Madrid studiert sie Architektur. Auch das macht sie so besonders, die leidenschaftlich-kaltblütige Verbindung von Theater und Architektur. Sie hat ferner Regie studiert und promoviert über „das Fundament des Theaters“. Vier Forderungen stellt sie an eigene Inszenierungen: - Es muss hier und jetzt passieren. - Macher und „Genießer“ müssen unbedingt „da“ sein. - Eine Realität entsteht in der Interaktion – keine Fiktion. - Eine soziale Gemeinschaft ergibt sich im Raum - im Zusammenspiel aller. Adela Bravo arbeitet mit theoretischen Texten. Wissenschaftlicher Prosa will sie Spielräume eröffnen. Sie verkündet die Schönheit des Hermetischen und vermeidet Theater-Metapher. Immer geht es darum, die Entwicklung eines individuellen Zuschauerstandpunkts zu begünstigen. Wie lange der Zuschauer „in einer Geschichte bleibt“, ist seine Sache. Jeder Zuschauer sieht sein eigenes Stück. Das schließt Manipulation nicht aus. Das architektonische Theater soll den Zuschauer dahin führen, wo er sich selbst nicht vermutet.

„Fast alles, was einem Menschen passieren kann, geschieht unabhängig vom Geschlecht“, glaubt Adela Bravo. Sie zitiert den Neurobiologen Joachim Bauer: „Alle biologischen Erklärungen sind Ausreden.“

Newsletter bestellen
Textland auf Facebook
Karten bestellen