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17.01.2019, Jamal Tuschick

Young Migrants Make Noise

Lauter falsche Fremdzuschreibungen

In den 1990er Jahren kamen die ersten Chinesen aus der Provinz Winzhou nach Prato, einer kleinen Stadt in der Nähe von Florenz. Mit fünfzigtausend Menschen ist diese chinesische Gemeinde in Europa die drittgrößte nach London und Paris. Jeder fünfte Mensch in Prato gehört der Gemeinde an. Sechstausend Mitglieder sind unter achtzehn. In einer chinesischen Wochenendschule sollen die Kinder der chinesischen Migranten zurück zu ihren „Wurzeln“ finden. Die Jugendlichen wurden gefragt, ob sie sich eher italienisch oder chinesisch fühlen:

  1. „Halb-halb.“
  2. „Italienisch.“ Warum? „Ich bin hier geboren, kann besser italienisch als chinesisch.“
  3. „Ich fühle mich beidem verbunden. Ich bin Chinese, bin aber hier in Italien geboren.“

In Kontrast zu ihren Eltern würden sich die Kinder der chinesischen Immigranten mehrere kulturelle Identitäten zuschreiben und die meisten bestehen darauf, dass sie als Italiener_innen gesehen werden. Die wenigsten haben China mehr als dreimal besucht. Tatsächlich beantragen nur wenige in Italien lebenden Chinesen die Staatsbürgerschaft. Von allen Migranten, die 2015 die italienische Staatsbürgerschaft beantragt haben, waren nur 1% Chinesen. Dennoch erfahren Chinesen, die die italienische Staatsbürgerschaft besitzen, Diskriminierung. Als größte Barriere zur vollständigen Zugehörigkeit erübrigt sich letztendlich der Körper, das Erscheinungsbild:

  • „Du kennst mich doch schon lange. Findest du mein Charakter eher westlich oder chinesisch?“
  • „Du hast einen einfachen Charakter, du bist eher westlich.“
  • „Aber körperlich gesehen bin ich doch chinesisch.“
  • „Naja, wie eine aus dem Westen siehst du nicht gerade aus.“

Eine Schülerin beschreibt wie sie in der Schule als „kleine Asiatin“ gehänselt wurde, die „Zerrissenheit“ zwischen zwei Kulturen, die Tatsache, dass weder ihre Eltern, noch die Gesellschaft ihr Italienischsein anerkennen. Der Körper ist der ständige Bezugspunkt, wenn es um die Identitätszuschreibung geht – als hätte man die Herkunftsgeschichte mitsamt der Nase und der großen Füße von seinen Eltern geerbt. Wie soll man damit umgehen, wenn man ständigen Fremdzuschreibungen unterliegt?

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