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13.02.2019, Jamal Tuschick

Murat Uyurkulak war ein Mann der ersten und der letzten Stunde im Taksim-Widerstand, „als die Türken dem Erdkreis demonstrierten, wie schön sie protestieren können.“ Uyurkulak ist Autor des Binooki Verlags.

Die Binooki-Schwestern

Der Binooki Verlag in der Kreuzberger Fahimi Bar

Sie sind Sterne. Feuer fingen die Schwestern Inci Bürhaniye und Selma Wels auf der Istanbuler Buchmesse 2010. In einem Augenblick kosmischer Klarheit erkannten sie: Die neue türkische Literatur fehlt Deutschland. Ihren „binooki Verlag“ gründeten sie im folgenden Jahr. Der Name spielt mit zwei Sprachen – ein Amalgam aus Buch & Brille.

2012 zeigte sich „binooki“ zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse. „Wir traten mit vier Titeln an“, erzählt Inci Bürhaniye.

Die Schwestern traten mit ihren Titeln Türen ein. Inci Bürhaniye und Selma Wels kommen aus Pforzheim, wo Nagold und Enz sich vereinen, und schon mein Urgroßvater, der schöne Emil, zur Welt kam. Emil Britsch lernte Stahlgraveur und wurde Juwelier am Hof des dänischen Königs. Auch Inci Bürhaniye und Selma Wels sind sehr gefragt und stets verdächtig mit einem Programm, das türkische Literatur auf Deutsch präsentiert. Jeder Titel ist preisverdächtig. Die Verlegerinnen nennen ihre Helden und versehen jeden mit dem Zusatz Lieblingsautor: Emrah Serbes, Alper Canıgüz, Zerrin Soysal und Gaye Boralıoğlu.

Bereits im Herbst 2012 kassierten sie einen „Preis für die erfolgreichste Maßnahme im Web“. Es hagelte den Kurt Wolff-Förderpreis und eine „Newcomer“-Auszeichnung vom „Buchmarkt“.

Zum Programm gehört der weltweit „erste türkische Fantasy-Roman“. „Binooki“ verbreitet eine Literatur, die westeuropäische Erwartungen unterläuft. So sagen es die Schwestern. Aber auch so: „Türkische Prosa ist nicht nur orientalisch-verblümt.“

Nehmen wir zum Beispiel „Glut“ von Murat Uyurkulak. Der Roman spielt in Ominösien. Der Autor camoufliert politische Absichten. Er war ein Mann der ersten und der letzten Stunde im Taksim-Widerstand, „als die Türken dem Erdkreis demonstrierten, wie schön sie protestieren können.“

Verdeckt erzählt Uyurkulak von Kurdistan und Diyarbakir. Da kämpfen „Khirbos“ gegen reguläre Verbände. Es gibt Wolkenwesen, die davon träumen, Eis zu essen, und es gibt einen göttlichen Plan, der fehlschlägt. Engel fälschen Berichte, um sich aus Affären zu ziehen. Sie erklären eine Niete namens Muster „zum Auserwählten“. Muster und Kamerad Dreizehn fallen als Wehrpflichtige Rebellen in die Hände. Die Wolkenwesen organisieren Musters Befreiung, Muster steigt dann ins Raubdruckgeschäft ein. In seiner Druckerei werden nur Parias beschäftigt. „Die Schrägen“ komponieren neue Romane aus alten, und bringen sie unter Leute, die sich schieflachen. Das Publikum glaubt an eine Kunstverschwörung. Das passt zur Eleganz von „binooki“.

Einmal erlebte ich die Schwestern in der Fahimi Bar. Selma Wels trug aus „Secret Agency“ von Alper Canıgüz vor. In „Secret Agency“ übernimmt ein Kater die Weltherrschaft. Er hat einen Narren gefressen an der veritablen Null Musa. Musa sucht und findet ausgerechnet in der total unterkühlten Werbeagentur „Secret Agency“ einen Job, die Sheitan Bey aka der Teufel im Katzenkostüm als Tarnadresse in der Gegenwart dient.

Inci Bürhaniye berichtete von Ausschreitungen in Ankara. Die Hauptstädter demonstrierten erfolgreich gegen die Absetzung einer TV-Serie. Deren Held, Kriminalist Behzat Ç., ist eine Schöpfung von „binooki“-Autor Emrah Serbes. Inci Bürhaniye charakterisiert Behzat Ç. als desillusionierten Cop mit ramponierten Zügen. Seine Erscheinung ignoriert jedes Klischee.

„Wir sind eine klischeefreie Zone“, lautet zugleich die Devise von „binooki“.

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