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18.02.2019, Jamal Tuschick

Neue Heimatbegriffe

Ein Beitrag der Young Migrants-Autorin Luuh

Karim El-Helaifi (l-r), Ferda Ataman und Moderatorin Nasiha Ahyoud

Ferda Ataman, als Innenminister Horst Seehofer sich ihretwegen weigerte, am Deutschen Integrationsgipfel im Juni 2018 teilzunehmen, war das Geschrei groß. Ihr Artikel, der vehemente Kritik am Heimatministerium übt, hätte Seehofer mit nationalsozialistischer Blut-und-Boden-Ideologie in Verbindung gebracht. Als ich im Vorfeld des NDO-Kongresses den besagten Artikel las, klatschte ich innerlich Beifall.

„Politiker, die derzeit über Heimat reden, suchen in der Regel eine Antwort auf die grassierende »Fremdenangst«. Doch das ist brandgefährlich. Denn in diesem Kontext kann Heimat nur bedeuten, dass es um Blut und Boden geht: Deutschland als Heimat der Menschen, die zuerst hier waren.“ (Ferda Ataman, „Deutschland, Heimat der Weltoffenheit“, Ermutigen No. 20, Mai 2018)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Young Migrants

Ferda Ataman ist von Haus aus Journalistin, sie studierte am Otto-Suhr-Institut Politikwissenschaft und absolvierte die Berliner Journalisten-Schule. Woher sie kommt? Ihre Eltern sind aus der Türkei nach Deutschland eingewandert, sie selber ist in Nürnberg aufgewachsen. Ihre Karrierelaufbahn ist beachtlich: Sie ist Mitbegründerin des Vereins neuen deutschen Medienmacher und des Mediendienst Integration, sie schreibt für überregionale Zeitungen, darunter die Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel und Spiegel Online.

Nach ihrem Studium arbeitete sie auch als Redenschreiberin für Armin Laschet, damals Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen. Heute kann auf der NDO-Webseite nachgelesen werden: „Wir wollen keine Integrationspolitik, sondern eine Gesellschaftspolitik für alle.“

Bei der Podiumsdiskussion sitze ich in der ersten Reihe und schreibe fleißig mit. Ferda sitzt zwischen Karim El-Helaifi, stellvertretender NDO-Sprecher und Mitbegründer des Vereins Schülerpaten Berlin, und der Moderatorin Nasiha Ahyoud. Es ist eine kleine Runde von eloquenten „neuen deutschen“ Akademiker*innen, die auf bundespolitischer Ebene Ziele formulieren, über Chancengleichheit und Antidiskriminierung sprechen.

„Die Heimatdebatte enthält eine bestimmte Message in eine bestimmte Richtung. Da möchte man bestimmte Menschen abholen, die Heimatsverlustgefühle haben,“ so Ataman auf dem Podium. „Ich finde es ganz einfach: In der Bundespolitik sollte man keine Gefühle zur Abteilung machen. Eine Heimatabteilung ist eine Gefühlsabteilung.“

Dafür plädiert sie für einen Heimatbegriff, der alle Menschen miteinbezieht und sich nicht nationalsozialistisch vorbelastetem Vokabular bedient.

Beeindruckt und nachdenklich gestimmt eile ich nach der Podiumsdiskussion auf die nächste Veranstaltung. “Ich fühle mich [Horst Seehofer] verbunden, weil wir eine Heimat teilen”, so sprach Ferda in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Ich fühle mich dem deutschen Innenminister kein bisschen verbunden, aber das sollte der neue Heimatbegriff aushalten.

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