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26.02.2019, Jamal Tuschick

Im Gespräch mit Şafak Sarıçiçek

Über Wortschätze und den Terminus technicus der Juristen

Şafak Sarıçiçek

Erste Frage: Beachten Sie bei den Urteilen, die Sie in den Sammlungen sichten, auch die Schönheit der Sprache?

Die Sprache der Rechtswissenschaft ist im Ideal eine präzise, schnörkellose und einfache. In der Praxis und in den Sammlungen ist das hingegen nicht immer der Fall. Die Sprache der Juristen entfaltet jedoch so oder so eine eigene Ästhetik. Manchmal liegt es an der Altertümlichkeit, manchmal an der Abstraktheit und manchmal an der technisch-naturwissenschaftlich anmutenden Erscheinung. In den Sammlungen finde ich auch diese Schönheit, Wörter die wenig gebräuchlich sind, aber einen eigenen Klang haben oder eine Wirkung entfalten, die Klarheit schafft.

Hat das an Bedürfnisse der Gesellschaft gebundene Idiom der Juristen für sie einen literarischen Mehrwert? Hallt es nach? Fühlen Sie sich als Dichter angesprochen?

Absolut.

Damit geht ein Wortschatz einher, der auch Zustände erklären kann, die ich sonst nicht so gut erklären könnte. Was normalerweise einen juristischen Sachverhalt erfassen und unter die Normen zu subsumieren vermag, hilft mir Zustände zu beschreiben, für die diese Sprache eigentlich nicht vorgesehen ist, Gefühle, die Nuancen zwischenmenschlicher Beziehungen und Kommunikation oder der Mangel an einer solchen. Interessant ist der Zusammenstoß von dieser sprachlich eingrenzenden Welt mit der typischerweise frei assoziativen Welt des Dichters. Beide Welten haben auch eine eigene Hermetik, die sich multiplizieren kann, eine neue Symbolik kann entstehen.

Träumen Sie in dieser Sprache?

Nein, bisher glücklicherweise nicht. Aber ich habe den Verdacht, dass es im Verlaufe der Examensvorbereitung mit der steigenden Lernintensität dazu kommen könnte.

Genießen Sie die Stunden in der Bibliothek des Juridicums?

Wenn ich in den Lernfluss eintauchen kann, gefällt mir der Aufenthalt im Juristischen Seminar. Die Gänge und verschiedenen Räume muten manchmal kafkaesk an, aber gewissermaßen hat es auch etwas von einem Zuhause. Die Übersichtlichkeit der Raumgrößen, die Stille, vor allem in den Dauerarbeitsräumen und die Eigengesetzlichkeiten des Seminars geben einem ein Gefühl von Ordnung und Struktur, das man in der oftmals haltlosen Dichtung brauchen kann.

Haben Sie eine eigene Kantine im Fachbereich?

Ein Cafe (Cafe Lex), welches wohl schwerlich als Kantine bezeichnet werden kann. Man kann dort aber günstig zu Mittag essen und sich mit den Augen in den Baumkronen der benachbarten Baumriesen verlieren, wenn man aus dem Fenster guckt.

Gibt es noch die Kombination Käsebrötchen und Kakao?

Beides sollte in den Essens- und Getränkeautomaten des Cafes vorzufinden sein. Das Hauptnahrungsmittel der Bewohner des Juristischen Seminars scheint der Kaffee aus dem Kaffeeautomaten zu sein und kleine Essenspakete aus einem Feinkostladen.

Wird fortgesetzt. 

 

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