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30.05.2018, Jamal Tuschick

Anna Rheinsberg - Warum spricht man nicht mehr über Sie?

Kerstin Plessow über Anna Rheinsberg:

„Die Marburgerin sieht sich als Schriftstellerin und Feministin, und aus diesem Grund ist es ihr wichtig, neben dem eigenen Schreiben auf die Situation anderer Frauen aufmerksam zu machen, sich mit der Literatur schreibender Frauen auseinander zu setzen.

Sie selbst sagt, dass sie ohne Frauen nichts geworden wäre. Als Autodidaktin begreift sie Schreiben als „ein Handwerk zu verstehen, es zu beherrschen, unablässig zu lesen und zu lernen, und Freundschaften zu pflegen mit anderen, die es gleich tun“. Schreiben ist für sie Bewegung, Leben, Nachdenken, aber auch der freie Fall. Viele Schriftstellerinnen, mit denen sie angefangen hat, haben aufgegeben. Anna Rheinsberg ist dabei geblieben und klagt die Gesellschaft an, sich nur um männliche Autoren zu kümmern.“

Warum spricht man nicht mehr über Sie, Frau Rheinsberg?

Im globalen Dorf ist die Elisabethkirche zu Marburg ein Ziel für Pilger aus aller Herren Länder geworden. Anna Rheinsberg lebt in der Nähe und an einem Waldrand: zusammen mit Murmeltieren und der Phantasie von einem Wolf. Ihre Träume erfüllen sich im Guten wie im Bösen. Zu anderen Zeiten hätte man sie todsicher verbrannt.

Anna Rheinsberg liebt Claire Goll. Eine Begegnung mit Nina Hagen um das Jahr 1980 verknüpft sie mit heilsamen Erfahrungen als Schauspielerin, studentischer Routine am Ende des 68er-Aufruhrs, Liebesgeschichten der flüchtigen Art - und Ausblicken in die Zukunft: „Antonio Banderas wäre jetzt auch nicht schlecht. Aber er ist am Filmhimmel noch nicht aufgetaucht.“

Im Schlund des Narrativen

Die noch nicht berühmte Nina Hagen wird von Anna Rheinsberg so aufgenommen: „Nur Farbe und Maul ... Randale und Speed ... sie spielt Gosse. Die Bräute aus dem Osten haben den Kapitalismus kapiert.“

Das alles und noch viel mehr wird so gekonnt durch den Schlund des Narrativen gezogen, dass eine Welt entsteht, mit Eckpfeilern in Kassel und in Berlin. Berlin deshalb, weil Anna Rheinsberg aus Berlin kommt - und Kassel, weil sie, schwanger mit fünfzehn, dort Aufnahme am Friedrichsgymnasium fand.

Wie kommen Sie durch den Winter?

Aus meinem Briefwechsel mit Anna Rheinsberg.

Liebe Anna Rheinsberg,

erzählen sie mir bitte, wie Sie wohnen und ob Sie einen wiederkehrenden Traum haben.

Lieber Jamal Tuschick,

ich wohne seit dem Sommer 1980 in einem mittlerweile verrotteten Haus unterhalb des Waldes, nicht weit von der Elisabeth-Kirche entfernt. Hier gibt es alle Tiere, die man sich wünscht. Nur der Wolf ist noch nicht aufgetaucht.

Ich träume, und es geschieht. Das ist nicht lustig. Basco, obwohl tot, war lange bei mir. Bis jemand kam und ihn fortschickte. Ich kann sehen, diese kleine Fähigkeit ist in den Wechseljahren stärker geworden. Sie ist nicht immer da, aber sie ist verlässlich.

Außerdem mache ich gerne Wasserzauber, alles harmlos.

Ich träume davon, in einem freundlich gestrichenen Haus in Berlin Frohnau mit einem Mops zu wohnen, bisschen Geld zu haben und schreiben zu dürfen.

Warum haben Sie (Hadayatullah) Hübsch nicht noch einmal getroffen? Peer (Schröder) kennen Sie, oder?

Bianca Döring, die ich lange kenne … Da gab eine Episode mit Peter Kurzeck.

Die Dichterin Mylo hat lange in Frankfurt gelebt und u.a. für Fassbinder am Theater gearbeitet.

Mylo ist eine feenhafte Erscheinung, sie schreibt gut, altmodisch, Miniaturen. Sie lebt mit einem unaufhörlich rauchenden Antiquar zusammen, der lange in Cadaqués lebte. Das ist ein Ort, den ich liebe und wo ich oft war. Waren Sie je in Cadaqués?

Habe vor einigen Wochen Lorenz Jäger, den ich richtig mag, gesagt, er soll bei der FAZ eine kleine Reise für uns rausschlagen: Über Narbonne - Portbou - nach Cadaqués. Im Auto. Jaja.

Fragen Sie doch mal bei der FR an. Auf den Spuren von Walter Benjamin. Ich war ewig nicht dort.

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