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04.03.2019, Jamal Tuschick

Berni Mayer erzählt von einem Provinzbayern, dem München so gut gefällt, dass er jedes Wochenende daheim bei den Eltern in Ascha verbringt.

Verschultes Dasein

Die Geschichte beginnt mit einer Schlägerei, die mit Liebe zum Detail und einem schönen Realismus erzählt wird.

Berni Mayer, „Ein gemachter Mann“, Roman Dumont, 430 Seiten, 22,-

Der Erzähler Robert Bley mischt mit. Er ist der kommende Mann am Ort des Geschehens, mit den besten Aussichten auf einen Geschäftsführerposten. Auf Anhieb erinnert Bley an den lakonischen Helden in Berni Mayers letztem Roman „Rosalie“. Da kehrt Konstantin Wolff, genannt der Schwarze, zur Beerdigung seines Vaters in das Dorf seiner Herkunft zurück. Das Dorf liegt an der Schwarzen Laaber. Der Donauzufluss war in besseren Zeiten ein Paradies für Krebse, der Tod des Vaters nötigt den Sohn zu innerer Einkehr. Eine Kindheit unter der Fuchtel katholischer Fundamentalisten kommt ihm hoch.  

Leben, wo andere Urlaub machen

Bley ist zu jung für eine Inventur. Aber auch er lebt nah der Donau. Der Fluss taucht in der ersten Szene auf. Bei Hochwasser flutet er eine Kaschemme namens „Kapelle“, deren Vorplatz zur Arena wird, bis die Polizei kommt und die Ordnung wiedererstellt.

Bley ist der Schlagzeuger der tendenziell sozialkritischen „Pimply Dead“. Seine Heimatgemeinde Ascha wirbt mit dem Slogan: „Leben, wo andere Urlaub machen.“

Bley lehnt sich gegen die Idylle auf. Der Allergiker verweigert die Hürden auf dem Weg zur Herrschaft über die elterliche Gärtnerei. Lieber steigt er in den Müßiganges der Studierenden. Er folgt Edmund Steuber, der Jahrzehnte vor ihm an der Ludwig-Maximilians-Universität München akademische Würden erwarb.

Der Leser ahnt, dass in jeder Hinsicht das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde. Vielleicht übernimmt Bley doch die Gärtnerei nach einem Ausflug ins Unlebbare. Schon der Vater hatte literarische Interessen dem Erwerbszwang geopfert und sich eine schlichte Philosophie zurechtgelegt, die dem Sohn zunehmend plausibler erscheint.

Der Gärtnersohn als Germanistikstudent

Bley hasst Wohnheime. Er hält sich für einen „Stürmer und Dränger“, muss sich jedoch von der angehenden Gastronomiefachfrau Antonia Brandt Bescheid sagen lassen: „Ein Spinner und Drängler bist du höchstens.“

Mit Antonia lernt er Malta kennen, zum Schluss sieht er sich in Piräus um. In der Zwischenzeit landet er bei Kristin König, die ihre Dominanz im Namen trägt.

Wieder hält sich Mayer mit einer Adoleszenz zwischen Krise und Orgasmus auf. Wieder erinnert er mich an den frühen Helmut Krausser in der Vereinigung bayrisch-barocker Formate mit dem Ravioli-aus-der-Dose-Programm. Es ist viel heile Welt im Spiel des Gärtnersohns mit den Gegenständen und Botschafterinnen eines erwachsenen Daseins.

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