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04.03.2019, Jamal Tuschick

In ihrer Familiengeschichte „Willkommen im Café Zahav – Meine israelische Mischpoke und ich“ erzählt Kirsten Grieshaber auch die Geschichte der Mizrachim. Die Vorfahren ihres Ehemannes waren orientalische Juden.

Wütender Säkularismus

So hatte sich das Kirsten nicht vorgestellt. Mit den besten Absichten begleitet sie ihren zukünftigen Mann Eran nach Israel, um dessen Familie kennenzulernen. Die „Schickse“ begegnet unerwartet heftigem Widerstand mit Wut und Verzweiflung.  

Kirsten Grieshaber, „Willkommen im Café Zahav – Meine israelische Mischpoke und ich“, Bastei Lübbe, 238 Seiten, 10,-

„Dass man mich wegen meiner Herkunft und Andersartigkeit diskriminierte, war für mich eine neue Erfahrung … Wütend über diese Diskriminierung, wurde mir mein Säkularismus wichtiger als je zuvor.“

Alle Beteiligten sind von religiösen Trennlinien gezeichnet. Erans Mutter Dana wuchs im Iran unter den erschwerten Bedingungen struktureller Herabsetzungen auf. Sie hadert mit dem Islam und dem Christentum, aber auch mit der orthodoxen Tobsüchtigkeit ihrer Tochter Yael.

Dana lebt in Rishon le-Zion, einer russischen Gründung des 19. Jahrhunderts im Speckgürtel von Tel Aviv. Nicht nur der jüdische Weinbau im Garten des Herrn nahm in Rishon le-Zion seinen Anfang. Auch die erste jüdische Brauerei nahm da in der Mandatszeit den Betrieb auf. 

Das Ehepaar Kirsten und Eran betreibt in Berlin-Mitte ein israelisches Restaurant; das Café Zahav ist berühmt für seinen Hummus. Außerdem publiziert es gemeinsam und getrennt. Es teilt eine New Yorker Vergangenheit. In Amerika haben Kirsten und Eran ihr europäisches Erbe zu schätzen gelernt. Sie halten Schabbat mit ihren Kindern, die laut halachisch-jüdischem Gesetz keine Juden sind. Die Familie feiert Chanukka und Weihnachten.

Kirsten Grieshaber erzählt nebenbei die Geschichte der Mizrachim. Erans Vorfahren waren orientalische Juden. Nach der israelischen Staatsgründung blieb ihnen die Wahl zwischen einer ohnehin zweifelhaften Konversion zum Islam und der Aufgabe ihres Besitzes in Khansar und Golpayegan (in der iranischen Provinz Isfahan).

„Als Miri geboren wurde, waren Eran und ich stillschweigend erleichtert, dass sie ein Mädchen war. Wir konnten das Thema … Beschneidung umschiffen.“

Die Autorin strengt einen Kulturvergleich an. Sie nimmt die eigenen Eltern in die Pflicht, ihre Räume Gegenbeispielen für die Störungen zu öffnen, die Kirsten als nichtjüdische Deutsche in Erans Herkunftsfamilie verursacht. Die anekdotische Evidenz verrutscht in Szenen, in denen Eran vom Weihnachtsbaum beinah erschlagen wird, nachdem er sich als mustergültiger Schwiegersohn erwiesen hat. Grieshaber schildert die anstrengende Realität spannungsreicher Koexistenz als ein Kampf um Gewinne im Millimeterbereich. Die binationale Familie kollidiert auf allen Feldern. Auf einem Berliner Spielplatz erlebt sie eine Verwandlung von Ablehnung in schamvolle Zustimmung. Repräsentanten des „Bionade Biedermeiers“ beteuern ihre Aufgeschlossenheit, nachdem ihnen Kirsten klargemacht hat, dass ihr Mann nicht zum Bodensatz der Migration gerechnet werden darf, sondern als Israeli  It-Status genießt.

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