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07.03.2019, Jamal Tuschick

Anlässlich des 8. März 2019 stellt das African Book Festival Berlin die Frauen des Programms vor. Auch in diesem Jahr versammelt das African Book Festival Berlin vom 4.-7. April wieder zahlreiche hochkarätige Autor*innen aus Afrika und der Diaspora im historischen Kino Babylon in Berlin-Mitte. Knapp 60% der geladenen Gäste (27 von 46) sind Frauen, unter ihnen preisgekrönte Schriftstellerinnen, engagierte Professorinnen und Universitätsdozentinen, innovative Verlegerinnen, Poetinnen, feministische Aktivistinnen und Journalistinnen. Anlässlich des morgigen internationalen Frauentages, der in Berlin nun gesetzlicher Feiertag ist, stellen wir die Frauen auf der Gästeliste und ihr Schaffen vor.

Feminismus ist Programm

Die Vielzahl der inspirierenden Frauen, die als Sprecherinnen die Podien des Festivals bekleiden ist nicht weiter verwunderlich, wenn man einen Blick auf die Kuratorin wirft. Tsitsi Dangarembga ist preisgekrönte Schriftstellerin und Filmemacherin aus Simbabwe. Als erste Schwarze Frau aus Simbabwe veröffentlichte sie im Jahre 1988 ihren Debütroman Nervous Conditions im Alter von nur 25 Jahren und schrieb somit Geschichte. Inzwischen wurde der Bildungsroman zu den „100 besten afrikanischen Büchern des 20. Jahrhunderts“ und von der BBC zu einer der „100 Geschichten, die die Welt geprägt haben“ gewählt. Und in der Tat ist es ein prägendes Buch, sein erster Satz so ikonisch wie schockierend: „I was not sorry, when my brother died.“ Nervous Conditions sowie die zwei Folgeromane The Book of Not und This Mournable Body, die zusammen eine Trilogie bilden, erzählen aus einer dezidiert weiblichen Perspektive die Geschichte von Protagonistin Tambudzai, die in einer männlich dominierten Welt um ihre Selbstbestimmung kämpft, nachdem der Tod des Burders ihr als Mädchen den Schulbesuch möglich macht. 1992 gründete Dangaremgba die Filmpoduktionsfirma Nyeria Films, die sie bis heute leitet. Sie ist außerdem ist Gründerin und Direktorin des International Images Film Festival for Women in Harare, Mitglied der Organisation Women Filmakers of Simbabwe (WFZ) und versteht sich auch als Mentorin für junge Frauen in der Filmbranche.

Auf Dangarembgas Einladung kommt zum Beispiel Prof. Dr. Pumla Dineo Gqola Berlin. Die Forschungsdekanin der Universität von Fort Hare (Südafrika) und Professorin gestaltet maßgeblich öffentliche Diskurse um Gender und Feminismus in Südafrika mit. Neben zahlreichen Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften und populären Medien hat Gqola vier Bücher veröffentlicht, zuletzt Reflecting Rogue. Inside the Mind of a Feminist. Sefi Atta aus Nigeria ist Dramaturgin und Romanschriftstellerin, die unter anderem mit dem Wole Soyinka Preis für Literatur ausgezeichnet wurde. Ihre Werke be- und verhandeln die Lebens- und Erfahrungswelten von Frauen in einer globalisierten Welt. Auf dem Panel Should All Writers Be Feminists? Werden die beiden mit dem südafrikanischen Journalisten und Schriftsteller Fred Khumalo die Rolle von Autor*innen, insbesondere auch von Männern in feministischen Bewegungen thematisieren.  

Starke Autorinnen – Starke Frauenfiguren

In ihrem Essay These Bones Will Rise Again (Indigo Press 2018) schreibt Panashe Chigumadzi simbabwische Geschichte unter Einbezug von der Rolle von Frauen und Arbeiter*innen im Befreiungskampf neu. Sie mischt Reportage, Memoiren und kritische Analyse – vom Befreiungskampf über die 37-jährige Herrschaft Mugabes bis zum Staatsstreich, der nicht als solcher deklariert wurde.  Dabei bezieht sich die Autorin auf ihre eigene Großmutter sowie Nehanda, Ikone des anti-kolonialen Widerstandes und Großmutter der Nation und liefert einen gleichermaßen universellen und persönlichen Einblick in die Geschichte Simbabwes. Auch Novuyo Rosa Tshumas Roman House of Stone (Atlantic Books 2018) widmet sich der turbulenten simbabwischen Geschichte vom Anbeginn der Kolonialzeit über das von der noch jungen Regierung Mugabes an den Ndebele verübte Gukurahundi-Massaker bis in die frühen 2000er Jahre. Obwohl der Plot sich vor allem um die Beziehung zwischen Zamani und seinem Vermieter, für den er um jeden Preis wie ein Sohn sein will dreht, sind sie umgeben von starken und unkonventionellen Frauenfiguren. In Ayesha Harruna Attahs ebenfalls historischen Roman Die Frauen von Salaga (Diana Verlag 2019) stehen willensstarke Frauenfiguren im Zentrum der Handlung, die im heutigen Ghana zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt und die Geschichte von Sklavenhandel und Kolonialismus aus häufig vernachlässigten Perspektiven afrikanischer Frauen erzählt.  

Namwali Serpell aus Sambia, die 2015 den Caine Prize for African Writing für ihre Kurzgeschichte „The Sack“ gewann, wird ihren mit Spannung erwarteten Debütroman The Old Drift (Hogarth, März 2019) vorstellen, der Ende März erscheint und jegliche Genregrenzen sprengt – historisch wie futuristisch, magisch wie realistisch. Ein weiteres vielversprechendes Debüt stammt aus der Feder der simbabwischen Autorin Siphiwe Ndlovu. Auch in Ndlovus The Theory of Flight (Penguin South Africa 2018) verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Realität. Mit einem wundervollen Ensemble exzentrischer Charaktere erzählt der Roman die Geschichte eines Landes und einer Familie, eine Geschichte von Verlust und Hoffnung, Schönheit und Verwüstung, voller historischer und persönlicher Perspektiven, Schlichtheit und Komplexität.

Ebenfalls mit einem von der Kritik hochgelobten Debütroman im Gepäck reist Ijangolet S Ogwang aus Südafrika an. An Image in a Mirror (Jacana Media 2018) ist die Geschichte zweier Zwillingsschwestern aus Uganda. Während eine von ihnen bei der kinderlosen Tante in Südafrika aufwächst, weil die Mutter sich davon die Chance auf ein besseres Leben für eine ihrer Töchter versprach, bleibt die andere zurück. Beide hegen Ressentiments gegenüber der unbekannten Schwester für alles, was die jeweils andere vermeintlich hat, bis sie als junge Erwachsene aufeinandertreffen. Um Immigration nach Südafrika geht es auch in Sue Nyathis The Gold Diggers (Pan Macmillan South Africa 2018). Der Roman erzählt die Geschichten von Migrant*innen aus dem wirtschaftlich zu Grunde gerichteten Simbabwe der frühen 2000er Jahre, deren Hoffnungen nicht selten enttäuscht werden, denn allzu oft ist auch in Johannesburg nicht alles Gold, was glänzt.

Eine queer-feministische, Schwarze Perspektive aus Deutschland wird Autorin und Aktivistin SchwarzRund beisteuern. Neben ihrem queeren, afropolitanen Roman Biskaya (Zaglossus 2016), schreibt sie wissenschaftliche und journalistische Texte zu Intersektionalität, Queer-Feminismus, Körperpolitiken und allem voran Schwarze Politiken.

Packende Poesie ist von zwei besonders talentierten Dichterinnen zu erwarten. Safia Elhillo wurde 2015 mit dem Brunel International African Poetry Prize ausgezeichnet und auf der Liste der “30 unter 30” von Forbes Africa gelistet. Elhillos Lyrik zeichnet sich durch ihren experimentellen Stil, pointierte Provokationen auf Fragen nach Identität, Sprache und Migration. Die sudanesisch-amerikanische Lyrikerin wird im Rahmen der Poetry Night an der Seite von Harriet Anena aus Uganda performen. Anena gewann mit ihrem ersten Gedicht „The Plight of the Acholi Child“ bei einem Schreibwettbewerb ein Stipendium das ihr ermöglichte die Oberschule abzuschließen. Mittlerweile ist sie Wole Soyinka Preisträgerin.

Powerfrauen hinter den Kulissen der Literatur

Nicht nur literaturschaffende Frauen bekommen beim African Book Festival eine Bühne geboten sondern auch solche, die die Rahmenbedingungen schaffen und selbst oft im Hintergrund agieren. Bibi Bakare-Yusuf leitet mit Tapestry Consulting ein Forschungszentrum spezialisiert auf Gender, Sexualität und Transformation in Nigeria. Zudem ist sie Gründerin und Leiterin von Cassava Republic Press, einem unabhängigen Verlag mit Sitz in Nigeria und Großbritannien, der in diesem Jahr für den besten kleinen Verlag Großbritanniens beim British Book Prize nominiert ist. 2018 wurde Bakare-Yusuf von Brittle Paper, dem Online Magazin für afrikanische Literatur schlechthin, zur African Literary Person of the Year erkoren. Auch die Gründerin von Brittle Paper, Ainehi Edoro, findet sich auf der Gästeliste des diesjährigen Festivals wieder. Neben ihrer herausgeberischen Tätigkeit ist sie Dozentin für globale Schwarze Literaturen an der Universität von Wisconsin-Madison. Eine weitere Grande-Dame des Verlagswesens gesellt sich mit Ellah Wakatama Allfrey dazu. Nach jahrelanger verlegerischer Erfahrung bei Random House, Penguin und Jonathan Cape, gründete Allfrey den unabhängigen Verlag The Indigo Press. 2011 bekam sie für ihre Dienste im Verlagswesen den Orden des Britischen Empire verliehen.

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Festivalleitung | Festival Direction: 

Karla Kutzner           k.kutzner@interkontinental.org        +49 176 22 96 59 77

Stefanie Hirsbrunne  s.hirsbrunner@interkontinental.org   +49 157 87 16 58 23

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