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08.03.2019, Jamal Tuschick

Fernanda Melchor erzählt nach Vorgaben des magischen Realismus von einer bis zum Tod rasch alternden Hexe.

Das Fleischermesser im Fruchtfleisch

Hinter jeder Geschichte und den Versen vieler Lieder, denkt an The Little Red Rooster, steckt eine Geschichte, die schmutziger und zugleich sagenhafter ist als die populärste Version. So beginnt die Moritat von der in La Matosa Fluch und Segen spendenden Hochlandhexe La Bruja im 16. Jahrhunderts als ein von Guinea nach Mexiko verschleppter Königssohn seine Fesseln sprengte und eine Cimarrón (Maroon) Kolonie in den Bergen von Veracruz ausrief. Gaspar Yanga besaß Courage und Geschick. Jahrzehnte hielt er die Stellung. Der Ort existiert noch: San Lorenzo de Cerralvo in der Yanga Municipality. Hochbetagt delegierte Yanga militärische Aufgaben an Francisco de la Matosa, einem Angolaner, der hundert Musketiere und vierhundert Steinschleuderer und Bogenschützen befehligte. Auf den Schauplätzen Schwarzer Siege geht La Bruja magischen Geschäften nach, bis zu ihrer Ermordung.

Fernanda Melchor, „Saison der Wirbelstürme“, aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammar, Wagenbach, Quartbuch, 240 Seiten, 22,- 

Das erzählt Fernanda Melchor nach Vorgaben des magischen Realismus. Sie schildert eine kaum übermenschlich vor den Reduktionen des Alters gefeite Hexe, insofern La Bruja mit vierzig so aussieht als sei sie längst sechzig, und ihr Gedächtnis sie ordinär im Stich lässt. Sie könnte arm sein in ihrem Hexenhaus, das mal ein Schweinestall war, da aber auch Gold horten. Jedenfalls ist sie Mutter einer für das Metier der Zauberei hochbegabten Tochter.

Doch wer ist der Vater?

Hat vielleicht ein Mann aus dem Dorf der Hexe beigewohnt?

Die Tochter sieht ihrer Mutter zum Verwechseln ähnlich.

Kinder stoßen schließlich auf die Leiche der Alten im Schilf.

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