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09.03.2019, Jamal Tuschick

Fridays for Future

Ein Beitrag von Alma Edler

(c) Tim Lüddemann

Fri­days for Future – so lau­tet das Mot­to der Schüler*innenstreiks, die seit einem hal­ben Jahr jeden Frei­tag statt­fin­den. Bei die­sen Streiks han­delt es sich um eine von der damals noch 15-jäh­ri­gen Schwe­din Gre­ta Thun­berg initi­ier­te Akti­on zum Schutz des Kli­mas. Schon im August, direkt nach Beginn des Schul­jah­res 201819, fing die Teen­age­rin an, jeden Frei­tag von der Schu­le fern­zu­blei­ben und öffent­lich pro­tes­tie­ren zu gehen. Bald schon schlos­sen sich ihr Tau­sen­de ande­rer Schüler*innen an, zunächst nur in Schwe­den, inzwi­schen in immer mehr euro­päi­schen Staa­ten.Am 25. Janu­ar 2019 kam der Streik auch in Ber­lin an: Mehr als 10.000 Schüler*innen reis­ten aus der gan­zen Bun­des­re­pu­blik in die Haupt­stadt, um sich vor dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie dem Pro­test anzu­schlie­ßen. Wäh­rend­des­sen tag­te im Minis­te­ri­um die Koh­le­kom­mis­si­on – und beriet dar­über, ob den Rhei­nisch-West­fä­li­schen Elek­tri­zi­täts­wer­ken (RWE) eine Ent­schä­di­gung für den poten­ti­el­len Koh­le­aus­stieg zu zah­len sei.
„Fri­days For Future ist der letz­te Hil­fe­schrei einer gan­zen Genera­ti­on“, ruft einer der Redner*innen in die Men­ge. Und, es sei nicht mehr nur fünf vor zwölf Uhr, son­dern bereits vier­tel nach!

Der Beitrag erschien zuerst hier

Doch trotz des erns­ten The­mas war die Stim­mung aus­ge­las­sen. Zusam­men­ge­drängt auf einem klei­nen Platz, umge­ben von Poli­zei­wa­gen, lausch­ten die Schüler*innen den Redner*innen. Gigan­ti­sche Schil­der wur­den in die Luft gereckt: „There’s no Planet B“ und „Chan­ge the Sys­tem, Not the Cli­ma­te“ waren nur eini­ge der Auf­schrif­ten. Minu­ten­lang wird geschubst und gehüpft, denn: „Wer nicht hüpft, der ist für Koh­le“.
Alles in allem war es ein fried­li­cher Streik. Die Poli­zei am Ran­de des Plat­zes sah nur zu, wies ab und an jeman­den an, sich woan­ders hin­zu­stel­len. Es gab kei­ne Zugrif­fe, kei­ne Prü­ge­lei­en. Vom Minis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie ging es wei­ter in Rich­tung Kanz­ler­amt. Unter die strei­ken­den und schwän­zen­den Schüler*innen mischen sich ehe­ma­li­ge Lehrer*innen und Eltern mit ihren Kin­der­gar­ten- oder Vor­schul­kin­dern. Vor allem die pen­sio­nier­ten oder aus ander­wei­ti­gen Grün­den aus dem Schul­dienst aus­ge­schie­de­nen ehe­ma­li­gen Lehrer*innen, aber auch die Eltern wer­den von Reporter*innen in der Men­ge gesucht und nach Inter­views gefragt. War­um unter­stüt­zen aus­ge­rech­net ehe­ma­li­ge Lehrer*innen und Eltern das Fern­blei­ben der Schüler*innen vom Schul­un­ter­richt, ist wohl die Fra­ge der Medi­en­leu­te. Dar­auf­hin ant­wor­ten vie­le, dass sie die Zukunft der Schüler*innen und ihrer Kin­der sichern wol­len. Sie unter­stüt­zen das Enga­ge­ment und das poli­ti­sche Mit­mi­schen der Jugend.
Und den­noch, den meis­ten Schülern*innen droht wegen des unent­schul­digt ver­säum­ten Unter­richts Ärger, ob in der Schu­le oder Zuhau­se. Denn wenn­gleich Lei­den­schaft für die Poli­tik hoch ange­prie­sen wird, soll die­se doch nur außer­halb der Unter­richts­zeit aus­ge­lebt wer­den. Schul­pflicht geht am Ende näm­lich doch über alles: „Ihr könnt ger­ne pro­tes­tie­ren, aber eben nach­mit­tags“, heißt es bei vie­len, und: „Ihr müsst ja auch ler­nen.“
Um also die eige­ne Zukunft zu ret­ten und zukünf­tig mög­li­cher­wei­se eige­ne Kin­der auf die Welt zu brin­gen, die dann noch bewohn­bar sein soll, müs­sen Schüler*innen und Kin­der ris­kie­ren, ernst­haf­te Pro­ble­me zu krie­gen. Für man­che The­men müs­se man eben Risi­ken ein­ge­hen, sagen man­che. Ande­re sind der Mei­nung, dass Ärger für eine gute Sache etwas sei, auf das man stolz sein kön­ne.
Das tat­säch­li­che Kon­zept ist aber unklar. Denn: Wenn Schüler*innen im Unter­richt sein sol­len und nicht aktiv wer­den, wer ret­tet dann unse­re Welt? Wer sorgt für Gerech­tig­keit und eine Umwelt, in der Leben wei­ter mög­lich ist, wenn die zukünf­ti­gen poten­ti­el­len Anführer*innen der Welt zum Schwei­gen gebracht wer­den?
Auf die Fra­ge, war­um der Tadel ris­kiert wer­de, um auf den Streik zu gehen, ant­wor­te­te jeden­falls nie­mand, er*sie neh­me teil, um Schu­le zu schwän­zen. Statt­des­sen hört man, es sei die Zukunft der Schüler*innen und Kin­der, die von den Politiker*innen und Ener­gie­kon­zer­nen zer­stört wer­de. Wenn sie aber nur Gehör fän­den, wenn sie von der Schu­le fern­ge­blie­ben, sei das eben die ein­zi­ge Lösung.

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