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11.03.2019, Jamal Tuschick

Der globale Norden hat keine Zukunft

Der Soziologe Heinz Bude sagt: „Solidarität ist die Formel für eine Gesellschaft, die den Glauben sowohl an den Markt als auch an den Staat verloren hat.“

Heinz Bude 

„Solidarität: Die Zukunft einer großen Idee“ heißt das neue Buch des an der Kasseler Gesamthochschule lehrenden Soziologen Heinz Bude. Der Titel bot den Regisseuren und Dramaturgen Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer Anlass zu einer Befragung des Autors in der Berliner Schaubühne.

Ich fasse zusammen.

1.

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall bemerkt Bude „einen großen Wechsel der Themen“. „Eine politisch unbestimmte Mehrheit in allen westlichen Gesellschaften“ habe genug von der Vorstellung, dass „eine gute Gesellschaft die Gesellschaft starker Einzelner“ sei.

„Das Verlangen nach Solidarität ist Ausdruck der Abkehr vom Neoliberalismus. Der Neoliberalismus ist ein Regime der Angst.“

Solidarität ist die Formel für eine Gesellschaft, die den Glauben sowohl an den Markt als auch an den Staat verloren hat. Heinz Bude fragt nach der Zukunft einer großen Idee. Zurzeit betrachtet er sie als Beute der Rechten.

„Die Rechten haben die Solidarität gekapert.“

Sie predigen die Dreifaltigkeit eines ethnischen, nationalen und rassistischen Plurals. Ihre Solidarität schließt viele aus. Daran schließt sich die Frage an: Gibt es überhaupt inklusive Solidarität? Braucht Solidarität nicht Antagonisten?

Die Antworten auf alle Sorgenfragen scheinen rechtspopulistische, zumindest populistische Lösungen zu enthalten. Bude erwähnte unumstrittene, in ihren Milieus segensreich wirkende, von Haus aus sozialdemokratische IG-Metaller, die sich nun offen zur AfD bekennen und ihre volle Akzeptanz behalten.

„Solche Leute lassen sich nicht ausschließen.“

2.

Bude bezieht sich auf Albert Camus und postuliert einen neuen Existenzialismus.

„Das Ich vergeht in Angst um und vor sich selbst.“

Die Erfahrung der Einsamkeit gebiert den Grund der Solidarität.

„Wenn das Ich (der starke Einzelne in seiner Ängstlichkeit) die Zentralfigur des Neoliberalismus ist, dann ist das Ich auch die Figur seiner Überwindung.

3.

Solidarität ist nicht Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit fragt nach deinen Verdiensten. Solidarität fragt: Was brauchst du?

Bude führt drei Motive an, die uns für Solidarität einnehmen sollen.

Dankbarkeit und Schuld

Die Idee der Großzügigkeit

Die Bereitschaft zu teilen

4.

Bis gestern war die Zukunft eine Sache des globalen Nordens. Das betraf den fünften Teil der Weltbevölkerung. Jetzt sind die anderen dran.

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