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14.03.2019, Jamal Tuschick

Wir wissen um die Kraft der Allianzen. Wir sind die eigentliche Alternative für Deutschland. Das sagen Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Margarete Stokowski, Olga Grjasnowa, Reyhan Şahin, Deniz Utlu, Simone Dede Ayivi, Enrico Ippolito, Nadia Shehadeh, Vina Yun, Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir in:

Eure Heimat ist unser Albtraum

Hengameh Yaghoobifarah, Fatma Aydemir

Fatma Aydemir, Azadê Peşmen

Den herkömmlichen deutschen Heimatbegriff findet Hengameh Yaghoobifarah „faschistisch“.

„Heimat wird in Deutschland immer rechts verwendet.“

Das erklärte die Autorin in einem überfüllten Raum der Kreuzberg-Friedrichshainer Stadtteilbibliothek Pablo Neruda. Das Interesse war überwältigend. Yaghoobifarah und Fatma Aydemir präsentierten (befragt von Azadê Peşmen) ihre Anthologie „Eure Heimat ist unser Albtraum“, deren Publikationsgeschichte sofort zur Erfolgsgeschichte wurde. Einen Monat nach der Auslieferung des Titels ist bereits die vierte Auflage in Umlauf. Seit Max Czolleks Streitschrift „Desintegriert euch!“ aus dem Jahr 2018 schlug kein Beitrag aus dem und für das Spektrum der Neuen Allianzen auf Anhieb so ein wie dieses Manifest gegen einen anrüchigen Heimatbegriff im Plural seiner historisch vertieften Verzweigungen. Die Abwehr aller Anthologie-Autor_innen richtet sich gegen ein weißes Ideal auf dem Sockel christlich-patriarchal-heterosexistischer Normierungen.  

„Eure Heimat ist unser Albtraum“, herausgegeben von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah, Ullstein, 201 Seiten, 20,-

Der Basistext zur Einwanderung in Deutschland ist eine Litanei. Ein Fünftel der Bevölkerung weist eine ethnische Differenz zur Mehrheit auf. Das betrifft mehr Bürger, als je in der DDR lebten. Das Märchen von der torpedierten Homogenität erzählt man sich in Randgruppen. Die meisten sind in der Realität der Vielfalt angekommen. Das bedeutet nicht, dass der Diskurs die Realität spiegelt. Die traditionellen Inhaber der Deutungshoheit markieren weiter. Sie bestimmen das Leitlinienniveau. Das erklärt, dass eine begriffliche Aufstockung und deren Abkürzung bei der Umbenennung des Bundesministeriums des Inneren zum Drohwort Heimatministerium führte. Jede rechtsalternative Agenturchefin würde im Begriffsbildungsgremium von der Wortwahl der Bundesregierung abgeraten. Kein Privater überstünde unbeschädigt einen vergleichbaren Verbalfehlgriff.

Diese Verjüngung der Spielräume auf der rechten Seite vermindert die Kraft des Rassismus kaum. Sharon Dodua Otoo berichtet, wie ihre „politisch gerüsteten“ Kinder deeskalierend auf ihre Umgebung einwirken, im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass umgekehrt kein Weißer solche diplomatischen Leistungen zu erbringen bereit und in der Lage wäre. Man ist als Schwarze in einer weißen Gesellschaft gezwungen, vorausschauend zu agieren und nachsichtig zu reagieren.

In einer Expedition zu den Quellen der diversen Psyche beobachtet Hengameh Yaghoobifarah „Rassismen in queeren Räumen“. Die Autorin schildert Queerness als Konkurrenz- und nicht als Solidaritätsgegenstand.

Your silence will not protect you, heißt ein Essayband von Audre Lorde, auf den Sasha Marianna Salzmann im ersten Beitrag der Anthologie hinweist.  

„Ich werde nie wissen, was es heißt, unsichtbar zu sein.“

Die Schriftstellerin beschreibt am Beispiel eigener Unterschiede zu jenen, die sich vom Heimatministerium vertreten fühlen sollen, die größte Aufgabe der Minderheiten: den Druck mehrheitsgesellschaftlicher Normierungen (als einer umfassenden Aggression) zurückzuweisen und heimzuschicken - Return to sender. Salzmann erklärt, warum Assimilierung keine Option ist und die einschlägigen Forderungen Strategien zur Delegitimierung, Destabilisierung und Isolation folgen.       

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