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15.03.2019, Jamal Tuschick

„Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“ - „Ich bin in Deutschland geboren. Mir reicht das, um von hier zu sein“, erklärt Ferda Ataman in ihrem Aufruf zur Abkehr von jedwedem völkischen Unfug.

Diskriminierungsfolklore

„Ich bin in Deutschland geboren. Mir reicht das, um von hier zu sein.“

Anderen reicht das nicht. Manche hätten am liebsten das Segregationsinstrument eines zeitgenössischen arischen Ahnennachweises, um die Unterscheidung zwischen „echten“ Deutschen und „Passdeutschen“ amtlich erscheinen zu lassen.   

Ferda Ataman, „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“ S. Fischer, 202 Seiten, 13,-

Ataman stellt fest: „Wir waren schon mal weiter.“

Die Migrationsdebatte im Geist der Seehofer-Restauration zeigt: „Wir haben ein Wahrnehmungsproblem“. Die Mehrheitsgesellschaft wähnt sich in der Kommandozentrale des Tankers Deutschland und glaubt entscheiden zu können, wer an Bord kommt und was weiter geschieht.

Dabei sind Migranten längst Teil des deutschen Plural. Die Vorstellung von einer weißen Aufnahmegesellschaft mit effektiven Zugangsregelungen, „ist eine deutsche Lebenslüge“. Wie viele andere Deutsche, die ausländisch gelesen werden, will Ataman zurückgebliebene Autochthone nicht ständig aufklären müssen. Merkmale ethnischer Differenz provoziert viel zu oft noch eine Überlegenheitsgewissheit. Viele meinen, religiöse und politische Glaubenssätze abfragen zu dürfen.

„Wie halten Sie es mit Erdoğan?“

„Was sagen Sie zu unserem Schweinefleisch?“

Ataman will nicht länger ein Objekt der Diskriminierungsfolklore sein. Die Ursachen für die dramatische Ungleichzeitigkeit zwischen den Tatsachen der Einwanderung und ihrer Rezeption vermutet sie im Basislager unserer Gesellschaft. Ataman stellt fest: „Wir haben ein Demokratie-, kein Migrationsproblem.“  

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