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16.03.2019, Jamal Tuschick

„Zur rechten Zeit - Wider die Rückkehr des Nationalismus“ erinnert an bizarr anmutende Ausläufer des Dritten Reichs in der jungen Bundesrepublik.

Renaissance rechten Denkens

Ahndungsstillstand und kommunikatives Beschweigen

1954 kam es zu einem Ahndungsstillstand „minderschwerer“ Straftaten im nationalsozialistischen Kontext. Die damals (mit SPD-Unterstützung) bereits wiederhergestellte Kontinuität der NS-Funktionseliten entsprach einem selbstversöhnlichen Zug der Gesellschaft. Hermann Lübbe nennt das Pardonieren „kommunikatives Beschweigen“.

„Zur rechten Zeit - Wider die Rückkehr des Nationalismus“, herausgegeben von Prof. Dr. Norbert Frei (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Dr. Franka Maubach (Friedrich-Schiller-Universität Jena), PD Dr. Christina Morina (Universität Amsterdam) und Dr. Maik Tändler (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Ullstein, 232 Seiten, 16,-

Ein Schlussstrich nach dem anderen wurde gezogen, und 1964 die NPD gegründet. Sie zog ab 1966 in die Landtage ein und kratzte im Jahr der Revolte in Baden-Württemberg an der Zehnprozentmarke. Der NPD-Vorsitzende Adolf von Thadden trat als Gegenspieler von Willy Brandt auf. Seine Partei scheiterte 1969 knapp an der Fünfprozenthürde.

Die Autor*innen betrachten den Furor einer Mobilisierung von rechts als einen Erweckungsmoment im nationalen Lager, das nach dem Willen christdemokratischer und christsozialer Strategen nicht mehr Partei werden, sondern in der CDU/CSU seine ständige Vertretung finden sollte.

Allein diese Integrationsbereitschaft gegenüber Holocaust-Leugnern und -Relativierern sowie den Befürwortern einer deutschen Diktatur zeigt, wie tief der Nationalsozialismus in der Gesellschaft wurzelte. Er fand seinen Ausdruck in formelhafter Empörung.

„Einmal muss doch Schluss sein“

„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“

Zur Empörung gesellte sich die Sehnsucht nach volksgemeinschaftlicher Homogenität.

Eine alte Garde der Konservativen Revolution traute Franz Josef Strauß zu, die „heimatlose Rechte“ wieder mit dem Volk zu versöhnen. Sie führte ihren Kampf vor allem gegen die „Vergangenheitsbewältigung“ und den „Schuldkult“ – und zwar in Konkurrenz zu jenen Nationalsozialisten, für die das Deutsche Reich in seinen Vorkriegsgrenzen weiterbestand, übrigens mit dem von Hitler eingesetzten Admiral Dönitz als Staatsoberhaupt.

„Zur rechten Zeit - Wider die Rückkehr des Nationalismus“ erinnert an bizarr anmutende Ausläufer des Dritten Reichs in der jungen Bundesrepublik und zeichnet die faschistischen Verbindungslinien in die Gegenwart nach.  

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