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17.03.2019, Jamal Tuschick

Mit dem römischen Recht verlässt das Universelle die Philosophie und ihr logisches Futteral, um eine Einheit von Stand und Status zu definieren.

Das nicht gleichartig Gemeinsame - François Jullien kritisiert die Gleichsetzung von Kultur und Differenz

„Es gibt keine kulturelle Identität“. Der französische Philosoph François Jullien steuert die Punkte seiner Kritik in einem Ritt über den abendländischen Parcours von Universalität, Recht und Christentum an.  

François Jullien, „Es gibt keine kulturelle Identität“, aus dem Französischen von Erwin Landrichter, Suhrkamp, 95 Seiten, 10,-

Der rechte Sprung vom Einer ins Nichts vollzieht sich in der Substitution einer unhaltbaren Kategorie. Kulturelle Identität ersetzt ethnische Homogenität im Zusammenspiel gedopter Schweine mit einem geschädigten Wald, kurz Heimat. Heimat ist als Definitionsmacht so effektiv wie Homogenität. Homogenität gibt es nur in der Heimat, weil da keiner sein will. In strukturschwachen Räumen mit schlechter Verkehrsanbindung erpressen sich die Zurückgebliebenen mit dem Spezialwissen der Zugehörigkeit.

Wir sind daran gewöhnt, Kultur als Differenz zu begreifen und unsere Standpunkte auf den Wegen der Abgrenzung einzunehmen. Jullien kritisiert die Gleichsetzung von Kultur und Differenz. Er plädiert für „ein negatives Universelles, das dem Komfort jeglicher zum Stillstand gekommener Positivität entgegenwirkt“.

Das Zauberwort lautet Abstand

„Das Gemeinsame ist wahr, das Ähnliche ist falsch.“ Georges Braque

Jullien verlangt ununterbrochene Horizonterweiterung. Er erkennt in dem eingefahrenen und leerlaufenden Differenzkonzept allein den Wert eines Anziehungskräfte mobilisierenden und Fruchtbarkeit generierenden „Abstands“ zwischen Kulturen.  

„Abstand“ statt „Differenz“ - „Fruchtbarkeit“ statt „Identität“.

Das nicht gleichartig Gemeinsame verdient unser Interesse, da es uns produktiv, also interessant macht. 

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