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21.03.2019, Jamal Tuschick

Eine kurze Geschichte faschistischer Squats in Italien von Heiko Koch - 4. Folge

Inszenierte Besetzungen

Im Jahr 2007 flau­ten die faschis­ti­sche Beset­zungs­be­mü­hun­gen wei­ter ab. Den­noch konn­ten die rech­ten Besetzer*innen eini­ge Erfol­ge ver­zeich­nen. Anfang des Jah­res, am 26. Janu­ar 2007, fand eine Beset­zung „sot­to la ban­die­ra del­la Fiam­ma Tri­co­lo­re“ (dt.: unter der Fah­ne der Fiam­ma Tri­co­lo­re) in der Via degli Orti Di Mala­bar­ba im Stadt­teil Casal Ber­to­ne statt. Hier ent­stand der „Cir­co­lo Futu­ris­ta Casal Ber­to­ne“, der heu­te noch als Casa­Po­und-Sitz besteht. In den Fol­ge­jah­ren beklag­ten die Cen­tri Socia­li des Stadt­teils Über­grif­fe und Gewalt durch die dort ver­keh­ren­den Faschist*innen. In Fol­ge des­sen kam es immer wie­der zu mili­tan­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen rech­ten und lin­ken Hausbesetzer*innen. 11 Die rech­ten Über­grif­fe und Atta­cken ver­hal­fen der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Regie­rung von Rom anschei­nend nicht zur Ein­sicht. Viel­mehr kam die Kom­mu­nal­ver­wal­tung unter Wal­ter Vel­tro­ni den Faschist*innen erneut ent­ge­gen und über­gab den im Juni 2005 ver­trie­be­nen Faschist*innen aus der Via Capo d’Africa ein von der Stadt reno­vier­tes und ein­ge­rich­te­tes Gebäu­de in der Via Beve­ri­no 49, wo sich auch heu­te noch ihr „Foro 753“ befin­det. 12 Bei der Ein­wei­hung im Stadt­teil Tor­revec­chia anläss­lich des his­to­ri­schen Grün­dungs­da­tums der Stadt Rom, dem 21. April 753 vor Chris­ti Geburt13, erschien dann auch das Sympathisant*innen- und Unter­stüt­zungs­um­feld des „Foro 753“.14 Ruti­lio Ser­mon­ti 15, einer der Grün­der der „Ordi­ne Nuo­vo“16, Repräsentant*innen der „Fiam­ma Tri­co­lo­re“, der „For­za Nuo­va“ und der „SPQR Skin­heads“. Heu­te fin­den im „Foro 753“ Lesun­gen, Buch­prä­sen­ta­tio­nen, Thea­ter­auf­füh­run­gen, Kon­zer­te und poli­ti­sche Debat­ten statt. Sport­un­ter­richt für Kin­der wird ange­bo­ten, Kampf­sport im eige­nen „Pale­s­tra Mar­co Aure­lio Boxe“ trai­niert, Lebens­mit­tel gesam­melt und an „rein“ ita­lie­ni­sche Fami­li­en ver­teilt. Nach zwölf Jah­ren ist das „Foro 753“ immer noch ein klas­si­sches „Occup­a­zio­ne Non  Con­for­me“.

Des wei­te­ren besetz­te am 25. Juni 2007 der Bewe­gungs­flü­gel der Fiam­ma Tri­co­lo­re unter dem heu­ti­gen For­za Nuo­va-Mit­glied Giu­lia­no Cas­tel­li­no17 ein Gebäu­de der SIAE 18 in der Via Vala­di­er im Stadt­teil Pra­ti und nann­te es „Casa d’Italia Pra­ti“.19 In einer Erklä­rung tra­ten Giu­lia­no Cas­tel­li­no als Prä­si­dent des „Casa d’Italia Pra­ti“ und Gian­lu­ca Ianon­ne als natio­na­ler Ver­ant­wort­li­cher für die OSA auf. Das „Casa d’Italia Pra­ti“ wur­de offi­zi­ell am 7. Dezem­ber mit einem Kon­zert der Rechts­Rock-Bands „Zeta­Ze­ro­Al­fa“ und „La Peg­gio Gio­ven­tù“ eröff­net.20 Dabei stan­den Giu­lia­no Cas­tel­li­no als Front­mann von „La Peg­gio Gio­ven­tù“21 und Gian­lu­ca Ianon­ne als Sän­ger von „Zeta­Ze­ro­Al­fa“22 gemein­sam auf der Büh­ne. Wie lan­ge das Gebäu­de besetzt war, ist unklar. Anschei­nend wur­de das Gebäu­de über eini­ge Jah­re hin­weg von Giu­lia­no Cas­tel­li­no und Co. genutzt. Quel­len dazu sind aus den Jah­ren 2009 und 2014 zu fin­den.23
Die Wie­der­be­set­zung der Via­le Etio­pia 81 am 5. Okto­ber 2007 durch eine Grup­pe der „For­za Nuo­va“ schei­ter­te. Das Gebäu­de wur­de eini­ge Tage spä­ter geräumt. Laut Gian­lu­ca Ianon­ne soll zu die­sem Zeit­punkt angeb­lich auch ein Raum von der Asso­cia­zio­ne cul­tu­ra­le “Il cer­chio e la cro­ce“ im Stadt­teil Aure­lio besetzt gewe­sen sein.24

Im Jahr 2008 besetz­te Casa­Po­und mit dem Bloc­co Stu­den­tes­co am 23. April die ehe­ma­li­ge U-Bahn-Sta­ti­on Olimpico/Farnesina an der Via dei Mon­ti del­la Far­ne­si­na 80. Die ehe­ma­li­ge Metro-Sta­ti­on war anläss­lich der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 1990 gebaut wor­den und nur einen Monat wäh­rend der inter­na­tio­na­len Spie­le in Betrieb. Seit dem stand sie leer.25 Der Zeit­punkt der Beset­zung war güns­tig gewählt. Am Wochen­en­de nach der Beset­zung gewann Gio­van­ni Ale­man­no26 von der „Alle­an­za Nazio­na­le“ (AN)27die Wah­len zum Bür­ger­meis­ter­amt und beklei­de­te bis 2013 dies Amt in der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt. Ange­tre­ten war Gio­van­ni Ale­man­no für die sich im Ent­ste­hen befin­den­de Par­tei­en­fu­si­on aus Ber­lus­co­nis „For­za Ita­lia“ und der „Alle­an­za Nazio­na­le“ — dem „Il Popo­lo del­la Liber­tà“.28 Sein Wer­de­gang und Erfolg als (Post)faschist bis hin zum Bür­ger­meis­ter von Rom spie­gelt die Rechts­ent­wick­lung in Ita­li­en gut wider und sei hier kurz erzählt.

Gio­van­ni Ale­man­no — Wer­de­gang und „Erfolg“ eines (Post-)faschisten

Der 1958 gebo­re­ne Gio­van­ni Ale­man­no war schon früh Mit­glied der „Fron­te del­la Gio­ven­tù“, der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der 1946 gegrün­de­ten faschis­ti­schen Par­tei Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no (MSI)29 gewe­sen. Mehr­mals wur­de er in den 1980er Jah­ren wegen Gewalt­ex­zes­sen ange­klagt und saß wegen eines Angriffs mit einem Molo­tow-Cock­tail auf die sowje­ti­sche Bot­schaft im Jahr 1982 für acht Mona­te im römi­schen Gefäng­nis Rebibbia (Agen­zia Nazio­na­le Stam­pa Asso­cia­ta — Ansa, 15.05.1988)30 In den Jah­ren 1988 bis 1991 war er Vor­sit­zen­der der „Fron­te del­la Gio­ven­tù“. Wie so vie­le Mit­glie­der der MSI voll­zog Ale­man­no die so genann­te „Svol­ta di Fiug­gi“ — die „Wen­de von Fiug­gi“ und die Namens­än­de­rung der „Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no“ (MSI) zur „Alle­an­za Nazio­na­le“ (AN) im Früh­jahr 1995 mit. Der Vor­sit­zen­de der „Alle­an­za Nazio­na­le“ Gian­fran­co Fini 31 ver­pass­te der Par­tei ein neu­es Image und man nann­te sich von nun an post-faschis­tisch. Die AN ver­zich­te­te in der Öffent­lich­keit auf den „römi­schen Gruß“ und das Zei­gen des Kel­ten­kreu­zes, sowie ent­sag­te sie dem all­zu offe­nen Anti­se­mi­tis­mus. Die Besu­che Finis im ehe­ma­li­gen Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Aus­schwitz im Jahr 1999 und in der Holo­caust-Gedenk­stät­te Yad Vashem in Jeru­sa­lem im Jahr 2003 adel­ten ihn für das inter­na­tio­na­le Par­kett und Fini wur­de unter der Regie­rung Ber­lus­co­nis von 2004 bis 2006 zum ita­lie­ni­schen Außen­mi­nis­ter. Finis Kame­rad, Gio­van­ni Ale­man­no, wur­de in den 1990er Jah­ren mehr­mals Abge­ord­ne­ter der AN im Par­la­ment. In den Jah­ren 2001 bis 2005 wur­de Ale­man­no Land- und Forst­wirt­schafts­mi­nis­ter unter Sil­vio Ber­lus­co­ni. Und in den Jah­ren 2004 und 2005 war er stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der „Alle­an­za Nazio­na­le“. Ver­hei­ra­tet war Ale­man­no seit Anfang der 90er Jah­re mit Isa­bel­la Rau­ti,32 der Toch­ter Pino Rau­tis. Der 2012 ver­stor­be­ne Pino Rau­ti zähl­te zu den Grün­dern der 1956 ent­stan­de­nen rech­ten Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Ordi­ne Nuo­vo. Ale­man­nos und Isa­bel­las gemein­sa­mer Sohn Man­fre­di wur­de Mit­glied des Bloc­co Stu­den­tes­co und fiel 2012 in Grie­chen­land auf, als er mit Kame­ra­den den „römi­schen Gruß“ zeig­te.33 Heu­te leben Isa­bel­la Rau­ti und Gio­van­ni Ale­man­no getrennt. Ale­man­no ist der obers­te Par­tei­se­kre­tär der „Movi­men­to Nazio­na­le per la Sov­ra­ni­tà” (MNS) 34Wäh­rend Isa­bel­la Rau­ti für die (post-)faschistische Par­tei „Fratel­li d’Italia“35 im römi­schen Senat sitzt. In sei­ner Amts­zeit als Bür­ger­meis­ter von 2008 bis 2013 betrieb Ale­man­no der­art ein Sys­tem der Vor­teils­nah­me für sei­ne faschis­ti­schen Kamerad*innen in der öffent­li­chen Ver­wal­tung, dass von sei­ner Amts­zeit als einem „Paren­to­po­li“ (dt.: Vet­tern­wirt­schaft) gespro­chen wird. Zudem lau­fen gegen ihn Ermitt­lun­gen und Ver­fah­ren im Zusam­men­hang mit dem gigan­ti­schen Bestechungs­skan­dal „Mafia Capi­ta­le“. Im lau­fen­den Ver­fah­ren gegen Gio­van­ni Ale­man­no bean­trag­te in die­sem Febru­ar der zustän­di­ge Staats­an­walt fünf Jah­re Haft für Ale­man­no wegen Kor­rup­ti­on. Am 25.02.2019 wur­de der ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter Roms zu sechs Jah­ren Haft ver­ur­teilt.

Wur­den Beset­zun­gen der „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ in Rom von 2003 bis 2008 unter dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­ter Wal­ter Vel­tro­ni tole­riert, so wur­den sie von 2008 bis 2013 unter dem (post-)faschistischen Bür­ger­meis­ter Gio­van­ni Ale­man­no pro­te­giert. Dies ging soweit, dass Gio­van­ni Ale­man­no im Novem­ber 2012 die 11,8 Mil­lio­nen Euro teu­re Immo­bi­lie in der Via Napo­leo­ne III für die Gemein­de Rom erstand, um sie der Casa­Po­und zu über­schrei­ben.36 Das es dazu nicht kam, lag an einem inter­nen Zwist unter den Faschist*innen. Casa­Po­und hat­te Ende 2012 ankün­dig­te, eine eige­ne Par­tei zu grün­den, und trat somit in Kon­kur­renz zu Ale­man­no bei den Wah­len an.

Wie gesagt, der Zeit­punkt zur Beset­zung eines gro­ßen Are­als war im April 2008 durch die rech­ten Besetzer*innen gut gewählt. Die Faschist*innen nann­ten das Geflecht von leer­ste­hen­dem Ton­nen­ge­wöl­be und Hal­len „Area 19“, nach dem Grün­dungs­jahr der „Fasci Ita­lia­ni di Com­bat­ti­men­to” (dt.: Faschis­ti­scher ita­lie­ni­scher Kämp­fer­bund), die am 23. März 1919 von Mus­so­li­ni im Saal des “Cir­co­lo dell’alleanza indus­tria­le” (dt.: Zir­kel des Indus­trie­ver­band) an der Mai­län­der Piaz­za San Sepol­cro gegrün­det wur­den. Casa­Po­und nutz­te die groß­räu­mi­ge Lie­gen­schaft in den kom­men­den acht Jah­ren vor allem im Som­mer. Dort fan­den Aus­stel­lun­gen, Kon­fe­ren­zen, Kon­zer­te und seit 2009 ihr jähr­li­ches Fest „Tana del­le Tigri“ (dt.: Höh­le der Tiger) statt. Die­ser Kon­zer­te­vent wur­de spä­ter um einem Mixes Mar­ti­al Arts-Wett­be­werb erwei­tert, der von der Casa­Po­und-eige­nen Kampf­sport­or­ga­ni­sa­ti­on “Il Cir­cui­to” orga­ni­siert wur­de.37 Seit 2011 wur­den die Kampf­sport-Wett­be­wer­be inter­na­tio­na­li­siert und fan­den von 2013 bis 2015 unter der Betei­li­gung des Rus­sen Denis Niki­tin und sei­ner Orga­ni­sa­ti­on “White Rex” statt.38 Im Jahr 2015 kün­dig­te die Kom­mu­ne Rom den Umbau und die Inte­gra­ti­on der U-Bahn-Sta­ti­on Olimpico/Farnesina in das römi­sche U-Bahn-Netz an. Am 27.08.2015 fan­den die Behör­den das Gelän­de leer und unbe­lebt vor. Casa­Po­und hat­te die “Area 19” wider­stands­los geräumt.39 Das „Tana del­le Tigri“ Fest der Casa­Po­und Ita­lia fin­det seit 2016 im Par­co di Col­le Oppio, genau neben dem gut besuch­ten Kolos­se­um, statt. Im Anschluss an eine ita­li­en­wei­te Demons­tra­ti­on kön­nen hier Faschis­ten und tou­ris­ti­sche Zaun­gäs­te in den Genuss von Rechts­rock und der mas­sen­haf­ten Prä­sen­ta­ti­on des „römi­schen Gru­ßes“ kom­men. Von einem Kampf­sport­tur­nier im Zusam­men­hang mit dem jähr­li­chen Fest ist seit län­ge­rem nichts bekannt.

Eine Beset­zung des leer­ste­hen­den „Cine­ma Puc­ci­no“ in der via Bal­das­s­ar­re Ore­ro im Stadt­teil Casa­l­ber­to­ne durch die Faschist*innen am 11. Juli 2008 schei­ter­te. Der „Cir­co­lo Futu­ris­ta“ von Casa­Po­und und ein “Cir­co­lo Rifor­mis­ta e del­la Liber­tà” konn­ten sich nicht durch­set­zen. Die lin­ken „Cen­tri Socia­li Occupa­ti Auto­ge­s­ti­ti“ (CSOA)40 inter­ve­nier­ten und in Fol­ge der Aus­ein­an­der­set­zun­gen stand das Gebäu­de wei­ter­hin leer.41
Am 30. Novem­ber 2008 wur­de ein wei­te­res Mal ein Miets­haus in der Via Cas­sia 1134 im Sin­ne einer „Occup­a­zio­ne a Scopo Abi­ta­tivo“ von Casa­Po­und besetzt.42 Das Gebäu­de wur­de aber wegen gra­vie­ren­der Män­gel in der Bau­sub­stanz zwei Tage nach der Beset­zung wie­der ver­las­sen.

Mit Aus­nah­me der „Area 19“ war das Jahr 2008 somit nicht erfolg­reich und für die Jah­re 2009 und 2010 wur­den kei­ne wei­te­ren rech­ten Beset­zun­gen in Rom unter­nom­men.

Erst am 5. April 2011kam es wie­der zu einer kurz­fris­ti­gen Beset­zung.43 Die leer­ste­hen­de Grund­schu­le „Pari­ni“ an der Piaz­za Capri wur­de von Casa­Po­und Ita­lia besetzt, aber umge­hend wie­der ver­las­sen.44 Die Grund­schu­le sei laut Pres­se­mit­tei­lun­gen reno­viert wor­den. Nach Ver­hand­lun­gen mit der Stadt­ver­wal­tung fan­den die Fami­li­en, denen der Leer­stand zuge­dacht war, jedoch eine Blei­be in Not­un­ter­künf­ten.45 Aber auch die lin­ken Cen­tri Socia­li des Stadt­teil Mon­te­sa­cro hat­ten sofort ihren Pro­test ange­mel­det und gegen die Beset­zung der Faschist*innen mobi­li­siert.46

Unmit­tel­bar im Anschluss an die­se Räu­mung besetz­te Casa­Po­und ein Haus in der Via Val d’Ala 200,47 räum­te dies aber wie­der Ende Mai 2011. Auch hier war es zu Pro­tes­ten von Anwohner*innen und Lin­ken gekom­men, die kein faschis­ti­sches Zen­trum wie in Casal Ber­to­ne haben woll­ten, von dem sie ras­sis­ti­sche Über­grif­fe auf Migrant*innen und Angrif­fe auf Beset­zun­gen befürch­te­ten. Und die faschis­ti­schen Angrif­fe im Stadt­teil blie­ben nicht aus. So schlu­gen Ende April über ein Dut­zend Faschist*innen sechs Min­der­jäh­ri­ge zusam­men, wor­auf ein Trupp von rund 100 jugend­li­chen Antifaschist*innen ver­such­te das besetz­te Haus der Casa­Po­und zu stür­men. Die Poli­zei ver­hin­der­te dies. So war die Kom­mu­ne froh, dass mit der als frei­wil­lig dekla­rier­ten Räu­mung zwei­er besetz­ter Zen­tren wie­der Ruhe in dem Stadt­teil ein­kehr­te.48 Denn nicht nur die rech­ten Besetzer*innen muss­ten die kom­mu­na­le Lie­gen­schaft im Stadt­teil ver­las­sen. Auch die lin­ken Besetzer*innen muss­ten eines ihrer Zen­tren, das „Puz­zle“ in der Via di Mon­te Meta, am 24. Mai räu­men. Dabei konn­ten sie einen Teil der Räum­lich­kei­ten wei­ter nut­zen und ihre Sozi­al­ar­beit den Bewohner*innen des Stadt­teils zu gute kom­men las­sen.

Anfang Okto­ber 2013 besetz­te Casa­Po­und Ita­lia die Via Val d’Ala 200 ein wei­te­res Mal, wur­de aber eini­ge Stun­den spä­ter durch die Poli­zei geräumt.49 Dies scheint der letz­te Beset­zungs­ver­such zu Wohn­zwe­cken der mitt­ler­wei­le als Wahl­par­tei antre­ten­den Casa­Po­und Ita­lia gewe­sen zu sein. 

Ledig­lich eine medi­al insze­nier­te Beset­zung gegen eine Zwangs­räu­mung in der Via del Colos­seo am 29.09.2016 ist bei Casa­Po­und Ita­lia zu regis­trie­ren. Die­se Beset­zung leg­te es aber nicht auf effek­ti­ven Wider­stand gegen Zwangs­räu­mun­gen an. Viel­mehr soll­te die Akti­on über die Teil­nah­me des 42jährigen Simo­ne di Ste­fa­no dazu die­nen, dem blas­sen und akti­ons­fer­nen Wahl­kan­di­da­ten der Casa­Po­und Ita­lia die nöti­ge „Street­credi­bi­li­ty“ für die Bewe­gungs­ba­sis und die not­wen­di­ge Image von Kohä­renz in sozia­len Aus­sa­gen für die Wäh­ler­schaft zu ver­pas­sen. Beset­zun­gen, bes­ser gesagt: Blo­cka­den, durch Casa­Po­und Ita­lia fin­den nur noch als tem­po­rä­re Pro­test­for­men statt, die als direk­te Akti­on den all­täg­li­chen Ablauf von Rats­sit­zun­gen, in Büros und an Fir­men­ein­gän­gen tref­fen sol­len. Und der Bloc­co Stu­den­tes­co, die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Casa­Po­und Ita­lia, nutzt Beset­zun­gen von Schul­ge­bäu­den zur Durch­set­zung ihrer schul­in­ter­nen For­de­run­gen. Beset­zun­gen à la „Cen­tri Socia­li di Des­tra“ fin­det man bei Casa­Po­und Ita­lia seit einem Jahr­zehnt nicht mehr. Und die letz­te Beset­zung für ein „Casa d’Italia“ ist eben­falls sechs Jah­re her.

17″…ari­ec­co Cas­tel­li­no, le nuo­ve avven­ture del coor­di­na­to­re roma­no di For­za Nuo­va“ (osser­va­to­rio sul fascis­mo a roma, 25.07.2018)

18 Wiki­pe­dia: Socie­tà Ita­lia­na degli Auto­ri ed Edi­to­ri (SIAE)

19 „Pra­ti, palaz­zo occup­a­to da ultrà di des­tra La Siae den­un­cia Comu­ne e pre­fet­to“ (La Repubbli­ca, 03.01.2009)

20 „Casa D’italia Pra­ti“ (Forum Ter­mo Metro­po­li­ti­co, 07.12.2007)

21 „Musi­che dal fron­te – la peg­gio gio­ven­tù“ (Blog: Defend Ita­lia, 25.11.2018)

22 Wiki­pe­dia: „Zeta­Ze­ro­Al­fa“

23 „Pra­ti, palaz­zo occup­a­to da ultrà di des­tra La Siae den­un­cia Comu­ne e pre­fet­to“ (La Repubbli­ca, 03.01.2009); Casa d’Italia Pra­ti (You­Tube, 25.20.2014)

24 „Inter­vis­ta a Gian­lu­ca Ian­no­ne di Casa Pound“ (Blog: Spa­zio attivo – il Can­noc­chia­le, 25.04.2008)

25 „Occupa­ta da Bloc­co stu­den­tes­co la sta­zio­ne del Far­neto a Roma“ (Blog Vigna­cla­ra, 23.04.2008)

26 Wiki­pe­dia: Gio­van­ni Ale­man­no

27 Wiki­pe­dia: Alle­an­za Nazio­na­le

28 Wiki­pe­dia: Il Popo­lo del­la Liber­tà

29 Wiki­pe­dia: Movi­men­to Socia­le Ita­lia­no

30 „Ecco chi è Ale­man­no. …“ (Web-Archiv: liblab​.it, 22.04.2008)

31 Wiki­pe­dia: Gian­fran­co Fini

32 Wiki­pe­dia: Isa­bel­la Rau­ti

33 Man­fre­di, core di Ale­man­no (Let­te­ra 43, 01.10.2012)

34 Wiki­pe­dia: Movi­men­to Nazio­na­le per la Sov­ra­ni­tà (MNS)

35 Wiki­pe­dia: Fratel­li d’Italia

36 „Casa­po­und, nel bilan­cio comu­na­le 11 milio­ni di euro per l’acquisto del­la sede di via Napo­leo­ne III“ (Ric­car­do Cor­buc­ci, 13.05.2011); „Il Comu­ne «com­pra» la casa di Casa­po­und“ (Cor­rie­re dell Sera, 09.11.2012); „Bufe­ra sul bilan­cio: 11 milio­ni per il palaz­zo di Casa­po­und“ (Roma today, 26.04.2012); „Casa Pound, con la casa e sen­za Pound“ (Il Fat­to Quo­ti­dia­no, 13.01.2012)

37 “Tana del­le Tigri Inter­na­tio­nal Figh­t­ing — Il 13 e 14 Mag­gio ad Area 19“ (CasaPund Ita­lia, 30.03.2011)

38 „Der Neo­na­zi-Krie­ger“ (Der Spie­gel, 14.02.2019)

39 „Mon­te Mario, sgom­be­ra­ta la sta­zio­ne Far­neto: era occupa­ta da ‚Area 19“ (Roma Today, 27.8.2015)

40 Wiki­pe­dia: Cen­tro Socia­le Auto­ge­sti­to

41 Arti­kel­samm­lung aus dem Jahr 2008 ( Blog: puc​ci​ni​pu​li​to​.ilcan​noc​chia​le​.it, 2207.2008)

42 „Roma: Casa­Po­und occupa sta­bi­le per 25 fami­g­lie in via Cas­sia“ (ADN Kro­nos, 30.11.2008)

43 „Occup­a­zio­ne Casa­Po­und: ten­sio­ne davan­ti alla scuo­la“ (Roma Today, 05.04.2011); „Casa­po­und occupa la Scuo­la Pari­ni, …“ (Roma Today, 05.04.2011); „Casa­po­und occupa la Pari­ni, la sinis­tra insor­ge“ (Roma Today, 06.04.2011)

44 „Casa­po­und occupa la Scuo­la Pari­ni, …“ (Roma Today, 05.04.2011)

45 „Casa­Po­und, blitz in scuo­la in disu­so ma alla fine lascia l’occupazione“ (La Repubbli­ca, 05.14.20119)

46 „Fuo­ri i fascis­ti da Mon­te­sa­cro, la scuo­la è un bene comu­ne!“ (Glo­bal Pro­ject, 05.04.2011)

47 „Mon­te­sa­cro: Casa­po­und occupa l’ex palaz­zet­to Enel di via Val D’Ala“ (Mon­te­sa­cro Today, 06.04.2011)

48 „Muni­ci­pio IV, accordo rag­gi­un­to sgom­be­ra­ti Val D’Ala e Puz­zle“ (La Repubbli­ca, 24.05.2011); „Aggres­sio­ne a Talen­ti, è scon­tro Sen­za Tre­gua con­tro Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 27.04.2011); Fotos: „Pra­ti Fis­ca­li, ten­sio­ni e pro­tes­te I col­let­ti­vi con­tro Casa­Po­und“ (La Repubbli­ca, 27.04.2011); Aggre­di­ti dai mili­tan­ti di Casa­Po­und“ Ten­sio­ni e taf­fe­rug­li duran­te il cor­teo“ (La Repubbli­ca, 28.04.2011); „Casa­Po­und, „Bom­ba car­ta e scrit­ta con­tro Zip­po nel palaz­zo a via Val D’Ala““ (La Repubbli­ca, 29.04.2011)

49 „Occup­a­zio­ne lam­po di Casa­po­und nel palaz­zo di via Val D’Ala, poi lo sgom­be­ro“ (La Repubbli­ca, 15.10.2013)

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