MenuMENU

zurück zu Main Labor

04.04.2019, Jamal Tuschick

Eine bezaubernde Kurzgeschichte von Hilal Sezgin

Jana

Jana

Wie ich diesen Blick vermisse… diesen und etliche weitere. Es haben mich schon einige darauf angesprochen: Ja, ich bin weniger auf FB. Das liegt vor allem daran, dass ich immer mehr im Stall bin – meine kleinen Leute werden halt älter. Und pflegebedürftiger. Und ab irgendeinem Punkt hilft die beste Pflege nichts, und wir müssen uns verabschieden. Allein in diesem Kalenderjahr bereits von dem Leitschaf Jana (Bild), von meinem Adoptivschaf Emil, von Emils biologischer Mutter Schoko und einem weiteren Kameruner.
Ich weiß ja schon seit langem, dass eine solche, harte Zeit auf mich zukommen würde – nun ist sie da. Alte Schafe bekommen so ziemlich alles, was Menschen auch bekommen: Arthrose, Tumoren, Leukämie, Harnsteine, Hauterkrankungen, Schlaganfälle, Herzmuskelentzündungen, Organversagen. Und ich bemühe mich, ihnen bestmöglich zu helfen, hadere bisweilen, weine oft und trauere. Die Herde verändert sich, wenn bestimmte Individuen fehlen, und auch ich, der Mensch, spüre die Veränderung schmerzlich. Dazu die ewigen Fragen: Hätte ich doch besser…? Wenn ich gewusst hätte…? Haben wir zu viel/zu wenig getan…? Ich hoffe darauf, dass jedes Versäumnis verziehen wird und dass die Liebe weiterbesteht. Möge unsere Liebe sie umhüllen, wo auch immer sie sein mögen, und möge ihre Liebe uns weiter begleiten, sofern dies die Weitergezogenen nicht in ihrem Weg aufhält.

P.S: Neulich stellte man mir im Vorfeld des Schweizer Philosophiefestivals zwei Fragen zum Thema „Traum“: 1.Welchen Traum mussten Sie begraben?

„Als Kind und noch als Studentin träumte ich von einem erfüllten, regen Leben, das sich aber doch völlig unbeschwert anfühlen würde. Reine Philosophie sozusagen. Inzwischen weiß ich es besser. Wer liebt, hat auch Kummer; wer überhaupt etwas Ernst nimmt, hat Sorgen.“

2. Für welchen Traum würden Sie auf die Strasse gehen?

„Ohne Konjunktiv: Für den Traum, dass die Menschen endlich ihren Hochmut gegenüber (anderen) Tieren fallen lassen, und die Ausbeutung und Versklavung der Tiere einstellen, und Tieren das Recht auf Leben und Freiheit zugestehen – dafür gehe ich immer wieder auf die Straße. Davon träume und dafür arbeite ich Tag und Nacht.“

Newsletter bestellen
Textland auf Facebook
Karten bestellen