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15.06.2018, Jamal Tuschick

Neue Nachrichten von der Literaturkonferenz zur Erosion des Demokratischen im Berliner Ballhaus Ost

Ich wusste nicht, dass ich schwarz bin, bis ich nach Europa kam

Die Publizistin und Kulturmanagerin Jagoda Marinić:

Es wird so getan, als sei der Rassismus in Deutschland ein neues Phänomen. Das Deutschland meiner Kindheit war voller Rassisten. Helmut Schmidt sagte: Es war ein Fehler, die Ausländer ins Land zu holen. Das war Konsens. Wir haben das Asylrecht doch deshalb, weil sich Deutsche schon einmal im Rassenwahn ausgetobt hat. 

Marinićs Fazit: Es ist eine erbärmliche Zeit, in der Künstler erwachsen werden müssen. 

Manche zahlen für ihren Körper einen hohen Preis

Der kongolesische französischsprachige Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila löst Marinić auf der Bühne ab. Er schildert einen Afrikaner. Der Dargestellte sieht sich einer deformierenden Wahrnehmung seiner Person ausgesetzt. Sie hat eine milde Form von Irrsinn ausgelöst. Er schüttet sich aus vor falscher Begeisterung über falsche Zuschreibungen. Nächtliche Schwarzarbeit erhält ihn. Er rhapsodiert die Vorurteile seiner Umgebung. Die Ausländer pissen überall hin. Sofern sie schwarz sind, nehmen sie zum Überallhinpissen ihre Pornopenisse, mit denen sie außerdem Kindergeldrekorde aufstellen. Ihre breiten Nasen zeigen schlechte Manieren an.

Der Schwarzarbeiter im ewigen Nachtdienst meldet gesundheitliche Probleme und andauernde Müdigkeit. Er streckt sich auf dem Sofa seiner Biografie. 

„Ich habe nicht gewusst, dass ich schwarz bin, bis ich nach Europa kam. Ich war kein schwarzes Kind in der Welt meiner Eltern. Mich macht die Erkenntnis, schwarz zu sein, wahnsinnig."

Gleichzeitig stellt er fest: 

„Schwarz zu sein, ist eine Fiktion."

 Er weiß: „Man sperrt die Leute in Begriffe, bevor man sie zusammenschlägt."

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