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06.04.2019, Jamal Tuschick

New Places, New Voices, Influence and Reflection of Migration in Literature - Transitioning from Migration - Vom 4. bis zum 7. April findet das African Book Festival im Berliner Traditionskino Babylon statt.

The Voice of the Voiceless

Von links: Sue Nyathi, Ijangolet S Ogwang, Namwali Serpell, Magda Birkmann

New Voices

Von links: Ayesha Harruna Attah, Thando Mgqolozana,  Clementine Ewokolo Burnley, Novuyo Rosa Tshuma

„In Amerika kann man nicht Schwarz und unpolitisch sein.“

Namwali Serpell, geboren in Sambia und aufgewachsen in den Vereinigten Staaten, bemisst eine Spanne mit zwei Fingern, zwischen denen wenig Luft ist. So groß sei der Abstand zur Apartheid im Land der Freien.

Serpell stellt ihre privilegierte Position in den Dienst jener, die nicht gehört werden.

„Ich bin eine Stimme der Ungehörten.“

Vernehmbarkeit als Qualifikation. Nicht alle, die beim zweiten African Book Festival die Bühnen beleben, treten als Repräsentant*innen auf. Sue Nyathi, eine Schriftstellerin aus Zimbabwe, verwahrt sich dezent gegen eine Kontextualisierung ihres Werkes im Rahmen südafrikanischer Literatur.  

„Ich schreibe nur Geschichten.“

Das klingt wie ein Einwand gegen eine stellvertretende Interessenwahrung. Nyathi führt den Begriff fluid in die Debatte ein.

„Literatur ist fluid.“

Während Serpell in der Migration den Ausgangspunkt ihres Schreibens entdeckt, behauptet Nyathi als Achtjährige aus eigenem Antrieb die Produktion aufgenommen zu haben. Es ist nicht einfach, unter lauter Bewegungsorientierten individualistisch zu argumentieren. Die Sprech- und Denkweisen der Neuen Sozialen Bewegungen prägen jedes Paneel. Die meisten Teilnehmer*innen sprechen nicht nur für sich. Niemand sucht die Show. Nach den ersten fünf Veranstaltungen ist das ein Fazit. Man wird auf hohem Niveau einer Verantwortung gerecht. Man ist entschlossen, eine Gelegenheit der Artikulation Schwarzer Standpunkte nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.  

Nyathi verdient ihr Geld als Finanzanalystin.

„Most writer have a day job.“

Aus dem Stehgreif: „I’m a writer of passion and an analyst of profession.“

Das generische Maskulinum grassiert. Nyathi ist eine Zulu mit dem bemerkenswerten Vornamen Schöner Tag – Sukoluhle. Und dann folgt wieder, was sich ständig ausspricht, als wäre es eine Schuld:

„I was privileged to attend“ eine von Weißen dominierte Privatschule. Da wurde aus Sue Sukoluhle.  

Migration to the future and writing beyond history

Ayesha Harruna Attah erklärt, die Mystifikationen der afrikanischen Geschichte als Heldensaga leid zu sein. In einer Trostvergangenheit seien Kriegerinnen von königlichem Geblüt pandemisch. In Wahrheit habe es in präkolonialen Gesellschaften Sklaverei gegeben, die auf das Merkmal fremd nicht angewiesen war.  

Thando Mgqolozana braucht keine historische Wahrheit. Er schrieb über Nelson Mandelas Geburtsort, ohne je in Mvezo gewesen zu sein. Mgqolozana wollte seiner Imagination die Realität nicht zumuten.

Jemand bringt die Wendung the combination of roots and wings auf. Auch wenn sich daran nichts anschließt, lasse ich die lyrische Prise nicht über Bord gehen.

Wie kombiniert man Wurzeln mit Flügeln? Wie verhält sich die Geschichte zur Zukunft? Kommt nicht jede Vision aus der Herkunft?  

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