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20.04.2019, Jamal Tuschick

Der amerikanische Autor Nathan Englander spekuliert in seinem Roman „Dinner am Mittelpunkt der Erde“ auf Prisen des Grotesk-Grandiosen.

Parzellierte Vorgeschichte

Eingebetteter Medieninhalt

Wer weiß. Vielleicht wäre Ariel Sharon ohne den Jom-Kippur-Krieg von 1973 als abgehalfterter Held in den Reusen der Geschichte hängengeblieben und nicht zu einer mythischen Gestalt der israelischen Gründerzeit aufgestiegen. Seine historische Statur und Überlebensgröße gewann er als reaktivierter General (auf einem Vorposten des Politischen) im Streit mit seinen Vorgesetzten und bedroht von einem Befehlsverweigerungsverfahren. Sharon war schneidig, ohne erfolgreich zu sein. Nebenbei erkannte er die Schwäche der Bar-Lew-Linie, bevor die ägyptische Armee sie überwand.

Nathan Englander, „Dinner am Mittelpunkt der Erde“, aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence, Roman, Luchterhand, 285 Seiten, 22,-

Der amerikanische Autor Nathan Englander spekuliert in seinem Roman „Dinner am Mittelpunkt der Erde“ auf Prisen des Grotesk-Grandiosen. Dem nach einem Schlaganfall zum Wachkomapatienten degradierten Sharon dichtet Englander eine Wächterin an. Ruthi wachte schon im Vorzimmer, als Sharon noch die Staatsmacht verkörperte. Nun sagt sie zu ihrem Sohn, der als Geheimgefängniswärter nicht davor gefeit ist, von seiner Mutter für einen Linken gehalten zu werden:

„Ich sitze bei einem Toten, der so mächtig ist, dass er weiterlebt. Du sitzt bei einem Lebenden, der längst tot ist. Einem Feigling, der sich seinen Platz im Dunklen verdient hat.“

Der Gemaßregelte verdient keinen Tadel. Vorbildlich betreut er den Häftling Z, der nach zwölf Jahren der totalen Entrechtung seine Entlassung gar nicht mehr anstrebt. Er möchte einfach nur im Regelvollzug weiterbüßen. Das ist der Stand von 2014.

Englander parzelliert die Vorgeschichte. Zu Beginn des neuen Jahrtausends lebte Z in Paris als Agent des Mossad. Eine überdimensionierte Badewanne verhalf ihm zu einer Liebschaft. Etwa zur gleichen Zeit kam in einer Gegenspielerrolle der Palästinenser Farid in Berlin mit einem kanadischen Elektroschrottmogul ins Geschäft. Joshua ist nicht nur ein schlechter Segler. Auch als Lügner hat er nicht viel auf der Pfanne. So einer ist in jeder Konspiration für die eigenen Leute gefährlicher als für den Feind.  

Wer ist Joshua? Wurde der ominöse Depp auf Farid angesetzt? Nun wird es spannend.

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