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29.04.2019, Jamal Tuschick

Happy Birthday! 30 Years Intersectionality - Mit einer salutierenden Fußtechnik aus dem Kickbockvokabular begrüßte Mayowa Osinubi gestern Abend den Ehrengast Kimberlé Crenshaw sowie ein enthusiastisches Auditorium auf einer Feministischen Gala in der Berliner Zentrale der Heinrich Böll Stiftung.

To start with a kick

Kimberlé Crenshaw

Emilia Roig

Keine Helden, aber Vorbilder

Mayowa Osinubi startete mit einem Aufruf zur Emotionalität. Lasst euch nicht abriegeln und runterregulieren. Geht aus euch heraus, wenn ihr das wollt, auch in der Öffentlichkeit. Das kam gut an bei einem Publikum, dass es sichtlich genoss, vor Ort eine hochkarätig repräsentierte Mehrheit zu bilden – so wie es sich selbst repräsentierte im Geist der Pionierin Kimberlé Crenshaw. Aus dem Katalog ihrer Devisen:

„Intersektionalität ist kein Universitätssport, sondern eine Handlungsanleitung für soziale Gerechtigkeit.“

„Now we get ready to rumble.“ Kimberlé Crenshaw

In Berlin sagte Crenshaw: „Wenn Leute behaupten, ich wirke spaltend, entgegne ich: Was ich zu tun versuche, ist sicherzustellen, dass die Spaltungen, die es gibt, uns nicht davon abhalten, eine bessere Welt zu erschaffen.“

Es gibt keinen Feminismus, der Rassismus ausklammert. Kurz gesagt, war das eine wiederholte Feststellung der Galarednerinnen. Intersektionalität sei „a way of seeing“; „ein Depot voller ungehörter Geschichten“; eine Kraftquelle und ein Fundus der Gegenrede – backtalk.

„Die Widerrede hat mich zu einer politischen Person gemacht.“

Vor dreißig Jahren prägte Kimberlé Crenshaw den Begriff „Intersektionalität“, um das Zusammenspiel von unterschiedlichen Unterdrückungsformen zu beschreiben. Seitdem arbeitet die US-amerikanische Juraprofessorin und Aktivistin unermüdlich daran, unsichtbar gemachte Bevölkerungsgruppen, allen voran Schwarze Frauen, in ihren komplexen Lebenswirklichkeiten sichtbar zu machen. Intersektionalität erlaubt, so ihre Überzeugung, inklusiv politisch zu arbeiten und tatsächlich alle Menschen zu erreichen. Crenshaw hat bereits unzählige Menschen inspiriert und in ihrem Kampf um Gerechtigkeit unterstützt und gestärkt.

Theaterchefin Shermin Langhoff ergänzte:

„Wir brauchen keine Helden, sondern Vorbilder.“

Langhoff forderte „Zugänge zur Macht, mehr Rechte und mehr Geld. Sie erkannte eine Gefahr darin, dass die neuen sozialen Bewegungen unter Flaggen der Diversität die neoliberale Staatsleiche reanimieren und intersektionale Potentiale Verkrustungen zum Tanzen bringen.

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