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09.05.2019, Jamal Tuschick

Randbemerkungen von Eckart Britsch - Ich schreibe für meine Katze

Was treibt den Maler an die Leinwand, den Musiker an sein Klavier, den Schriftsteller an den Schreibtisch? Die Sehnsucht nach Ruhm und die Hoffnung auf Geld? Natürlich. Es soll in den Kassen klingen und die Massen sollen vor Neid erblassen. Gefragt, warum sie malen, musizieren oder schreiben, werden die meisten Künstler ziemlich stumm, den die schnellen Antworten darauf sind ziemlich dämlich: Ich wollte dem deutschen Volk, ich wollte den Frauen eine neue Identität, ich wollte den Hundebesitzern eine neue Vorstellung von der Größe ihres Hundes? Vermitteln, erziehen, beglücken.

"Find the right tone", sagt Miles Davis, " and then, don't play it."

"Ich schreibe für meine Katze", antwortete einmal Werner Aspenström, deutete aber an, "die Katze stehe manchmal für jemand anderes." "Was hat Sie veranlasst, einmal eine Reihe von Landschaften zu malen, Francis Bacon?" "Das Unvermögen, die Figur zu gestalten." "Ich kann nicht anders", sagt Samuel Beckett. Er spricht für viele. Auf jeden Fall und das gilt für alle, ob blasen, pinseln oder tippen, nach einiger Zeit im Beruf ist man zu nichts anderes mehr fähig." Wenn die künstlerische Tätigkeit bei bestimmten Menschen zum existenziellen Bedürfnis wird, dann ist das Malen, Singen oder Schreiben, absolut notwendig und unvermeidlich. Weil es keinen anderen Ausweg gibt, greift der Ungeübte zur Feder, zum Pinsel, zum Saxophon. Es gibt Leute, die spielen, singen, malen oder schreiben um ihr Leben. Und wir sprechen hier nicht von denen, die ständig sagen, wie sehr sie an ihrer Kunst leiden, obwohl sie in ihrem sonstigen Leben überhaupt kein Gefühl, keine Träne, kein Nichts haben und sich dann noch wundern, wie blutleer ihre Kunst geworden ist. Solche Leute verstehen nicht, dass die Kunst wie das Leben damit zu tun hat, die kleinste Nuance zu hören, zwischen den Zeilen zu lesen, da Abwesende im Anwesenden zu sehen, melismatisch wie Maria Callas zu singen "Vissi d'arte, vissi d'amore" (…) "Es gibt eben Künstler, die nur Gutes machen", schreibt Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo aus London, "ebenso wie es auch Alltagsmenschen gibt, bei denen alles, was sie tun, gut ist." Ce mec a de la mentalité.  

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