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29.07.2019, Jamal Tuschick

Art Migration in divided dities - „Für meine Generation existiert die Mauer noch“, sagte Cynthia Beatt im Literarischen Colloquium auf dem Rewriting the Map - Festival: Literature and Urbanism in divided cities. Die Tochter einer Amerikanerin und eines Iren kam auf Jamaika zur Welt, lebte auf den Fidschiinseln und erreichte Westberlin zu der Zeit, als Mauerbrachen zu den Sehenswürdigkeiten zählten. Ich erinnere den Slogan: Besuchen Sie Berlin, solange es noch steht.

Action Art

Leonie Ott dokumentierte das Festival grafisch

Gürgenç  Korkmazel - Seine Biografie wiederholt die Spaltung seiner Heimatstadt Nicosia

Die deutsch-deutschen Spannungen haben alles, was ein elektrischer Zaun braucht. Die Ladungen knistern unter den Überlandleitungen der zaungastlichen Beobachter*innen. Das sind Leute mit Radius. Die Mauer fanden sie funny. Sie wissen, dass in der traumatisierten Stadt noch jede Menge (in Schlafbänken aus Muschelkalk und Verwitterungsfirnis so wie in schockgefrorenen Aulen frisch gehaltene) Geschichten auf der Straße liegen. 

„Für meine Generation existiert die Mauer noch.“

Das sagt Cynthia Beatt. Die Tochter einer Amerikanerin und eines Iren kam auf Jamaika zur Welt, lebte auf den Fidschiinseln/ I guess you could say I was defined by culturel plurality since birth/ und erreichte Westberlin zu der Zeit, als Mauerbrachen zu den Sehenswürdigkeiten zählten.

Ich erinnere den Slogan:

Besuchen Sie Berlin, solange es noch steht.

Action Art

Beatt siedelte am Potsdamer Platz mit „dramatischem“ Mauerblick. Der Gropius Bau bot als Ruine der anglophonen Avantgarde Trümmerschick. Beatt lebte im „physical container“. Sie verortete Berlin am Weltende. Keine irdische Entfernung konnte größer sein als die, die sie von den pazifischen Inseln mit ihren Traumstränden, Riffwundern und Brandungsräuschen trennte.

Die Routiniers des Metropolen-Hoppings schätzten sich glücklich, in der geteilten Stadt so dicht an deren Alleinstellungsmerkmal zu logieren.

In dem Quartier am Potsdamer Platz erfuhr Beatt zum ersten Mal das Gefühl der Abgeschlossenheit. Sie verfilmte die Gegend, auf dem Festival im LCB spricht sie von einer „filmischen Konversation mit Berlin“.

Space were cheap, the nights were long, there were energy and creativity … and anarchy …

Auch die Häuser, die man wie Füllungen in die Bombenlücken gesetzt hatte, boten Architekturkontraste für alle, die das Zusammenspiel perforierter Fassaden mit Betonoptimismus zu schätzen wussten. Einschusslöcher Action Art hier, biedere Kunst am Bau da. Und im Hintergrund immer die Mauer. Für diese Leute war die deutsche Teilung kein politisches, sondern ein ästhetisches Ereignis. Die Attribute als Frontstadt und Schaufenster des Westens an einer Demarkationslinie des Kalten Krieges fügten sich in ihren historischen Mosaiken eigen-artig zusammen.

Beatt verfilmte die Gegend, auf dem Festival im LCB spricht sie von einer „filmischen Konversation mit Berlin“.

Aus der Ankündigung

Anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls in Berlin richtet das Literarische Colloquium Berlin ein Festival zu Literatur, Kunst und Urbanismus in geteilten Städten Europas aus. Mit Gästen aus Belfast, Mostar, Nikosia und Berlin diskutieren wir das Zusammenspiel zwischen der spezifischen räumlichen Struktur dieser Städte und der Kunst, die dort entsteht. Zusammen mit Schriftsteller·innen, Architekt·innen, Stadtplaner·innen, Historiker·innen sowie Performance-Künstler·innen werden die Folgen innerstädtischer Grenzen auf kollektive Wahrnehmung und das kollektive Gedächtnis beleuchtet und die Mittel aufgezeigt, mit denen Grenzen aufrechterhalten, aber auch umgangen, überwunden und aufgelöst werden. Wir setzen uns mit den Folgen langjähriger Teilung und Exklusion in Teilen des Kontinents auseinander und nehmen unterschiedliche urbane Konstellationen in den Blick.

Bald mehr.

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