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08.10.2019, Jamal Tuschick

Die Wahrheit und das Massensterben - Klimaaktivist*innen begannen gestern in den frühen Morgenstunden den hauptstädtischen Verkehr im Schatten der Siegessäule am Großen Stern und am Potsdamer Platz lahmzulegen. Mit gesellschaftlich einschneidendem Protest wollen sie in den nächsten Tagen Politiker*innen dazu anregen, „die Wahrheit“ zu sagen, und entsprechend zu handeln, um „ein Massensterben“ abzuwenden.

Der große Anfang

Apokalypse Jetzt

Getanzte Blockade

Zeltstadt vor dem Reichstag

Gepäckparade

Wann wenn nicht wir - Ein Triumph des kommatösen Paradox

Der Schrei nach Bedeutung ist ein Schrei nach Leben

Und wenn es nicht klappen sollte und wir scheitern, dann war es trotzdem gut und schön.

Das höre ein paar Mal am ersten Tag der Berlinblockade unter der Ägide von Extinction Rebellion. Nicht immer gleich sind die Formulierungen, aber klar ist, die Aktivist*innen vereinen sich seelisch und räumlich an dem Punkt eines großen gemeinsamen Anfangs und Aufbruchs.

Extinction Rebellion ist ein Exportschlager aus Großbritannien und so auch ein Exportunternehmen, das die Revolution im Angebot hat.

Die Blockaden am Großen Stern und auf dem Potsdamer Platzes haben einen verspielten Charakter. Kreativität ist gefragt. Man will ein buntes Hindernis sein und die Störung keinesfalls martialisch erscheinen lassen.

Die Nacht war kalt. Dirk ist extra aus Dresden angereist, um …

Steif kommt er aus seinem Zelt. Der Dresdner Dirk, 23, hat seine erste Nacht halbwegs im Freien überstanden. Die Dächer vieler Berliner Häuser schimmerten schneeweiß im nächtlichen Morgen.  

Politisches Camping

Er habe viele Pullover im Gepäck, erklärt Dirk, der auf jeden Fall bis Donnerstag „durchhalten“ will. Nach Durchhalten sieht das Blockadegeschehen im Allgemeinen nicht aus. Eher nach Woodstock im Ornat der Weltjugendfestspiele. Tanz und Theater, aber auch Gesellschaftsspiele wie zum alltäglichen Zeitvertreib dominieren die Szenen des politischen Campings.

Musikerinnen werden von einer Filmcrew in der Zeltstadt vor dem Reichstag empfangen, während beinah vor ihren Füßen sich Blockierer*innen in der Etappe auf Gitarren begleiten. Sie singen den Shanty vom betrunkenen Segler. Sie wirken aufgeräumt und routiniert.

Sie erinnern mich an eine Einschätzung des englischen Soziologen Paul Mason. Der Widerstand gegen Trump (als Chefrepräsentant der Ignoranten) findet seine radikalste Kohorte in der Sonderbarkeit von „Mittelstandskindern mit Hochschulabschlüssen und Jobs“. Sie sind es, die „den sozialen Krieg, der seit geraumer Zeit an den Rändern des globalen Systems tobt“, auf die Magistralen des siechen Imperiums tragen.

Aus der laufenden Twitter-Berichterstattung

„Eine Rebellion lässt sich nicht räumen! Räumung abgebrochen, wir bleiben am Potsi! Rebels im Lager, schnappt Zelt & Schlafsack und kommt rum. #Berlin, wir brauchen euren Support! Bringt Decken, warme Getränke oder ein paar Snacks mit.“

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