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09.10.2019, Jamal Tuschick

Unerbittlich friedlich - Dem ständig betonten Revolutionscharakter zum Trotz erinnert Extinction Rebellion Environment an Kopenhagener Straßenszenen in den Siebzigerjahren. Die Inszenierungen atmen den Geist von Christiania. Die Attitüden changieren zwischen hippie’esk und apokalyptisch. Der Anspruch ist absolut. Die seligen Vorträge eines Weltuntergangsprogramms sollen eines auf keinen Fall sein: Coverversionen. Die Mutter aller Botschaften lautet: Wir hängen schon in der Luft über dem Abgrund.

Apokalyptische Attitüde

Getanzte Apokalpyse

Frost ist härter als die Polizei. Mother Nature ist keine Amme. 

Es werden auch Shantys gesungen. Das britische Element verschafft sich Geltung im Gesang der Seebären.

Wahrzeichen des Kapitals

Unerbittlich friedlich - Dem ständig betonten Revolutionscharakter zum Trotz erinnert Extinction Rebellion Environment an Kopenhagener Straßenszenen in den Siebzigerjahren. Die Inszenierungen atmen den Geist von Christiania. Die Attitüden changieren zwischen hippie’esk und apokalyptisch. Der Anspruch ist absolut. Die seligen Vorträge eines Weltuntergangsprogramms sollen eines auf keinen Fall sein: Coverversionen. Die Mutter aller Botschaften lautet: Wir sind schon in der Luft über dem Abgrund.  

Laut wird der Ruf nach Klimagerechtigkeit als Hinweis auf eine Ungerechtigkeit. Verbreitet wird die unfrohe Botschaft von Gaukler*innen, Bänkelsänger*innen und Hula-Hoop-Artist*innen. Die historischen Anleihen an mittelalterliche Jahrmärkte, Kirmes-Zinnober und obsoleten Budenzauber tragen zu einem Straight Edge-Jugendstil bei. Kein Alkohol, keine Drogen: lese ich auf Pappschildern. Auf dem Tanzboden der Tatsachen will man nüchtern zusammenkommen.

Es geht um Gradlinigkeit.

„Sagt die Wahrheit“, heißt es allenthalben.

Talking Heads

Die Ironie tarnt sich amtlich. Die Polizei sieht von weiteren Räumungen ab. Sie formuliert auch ohne Ecken und Kanten und gibt so eine Verunsicherung preis, die auf der Verunsicherung eines ganzen Staates sockelt. Die Verunsicherung wird nach unten durchgereicht.

Das Weitere überlässt die Staatsgewalt der Naturgewalt. Die Kälte ist das härteste Räumkommando. Die Aktivist*innen twittern auch in der zweiten Blockadenacht Solidaritätsaufforderungen. Sie rufen nach Decken, Schlafsäcken und seelischer Aufbauhilfe. Sie wünschen sich was Warmes.

Kälte und Regen wirken drakonisch. Sie zwingen die Aktivist*innen zu den unschönen Gebärden des Durchhaltens. „Der Krisenmodus ist eine faszinierende Zeit, aber nichts für schwache Nerven“, sagt David A. Sinclair. Ich finde, das passt zu dem bald schmerzhaften freiwilligen Verzicht frierender Aktivist*innen. 

Alterung ist ein Informationsverlust, sagt David A. Sinclair. Deshalb verstehen Ältere die Zukunft nicht. Das verunsichert sie. 

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