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22.10.2019, Jamal Tuschick

People of Color in ländlichen Räumen - Wenn die Nichtzugehörigkeit so sichtbar ist wie auf dem Dorf … auch darüber sprachen Young Migrants Autor*innen auf der ersten digitalen UnKonferenz im Kreuzberger Südblock.

Öffentlichkeit ist der beste Schutz

Mittagspause

Wenn die Nichtzugehörigkeit so sichtbar ist wie auf dem Dorf …

Sie kommen aus Marl, „da wird der Grimme Preis“ vergeben, aus Verden bei Bremen, aus Mühlheim an der Mosel - oder aus einer Schwarzwaldgemeinde, in der eine Verteidigerin von Beate Zschäpe als uneingeschränkt geschätzte Bürgerin lange lebte, während nicht nur mit allen legalen Mitteln versuchte wurde, eine PoC-Familie zum Gehen zu bewegen.

Anfeindung als Alltagsnormalität

Dorf-PoC verbindet und stählt die Erfahrung in ländlicher Abgeschlossenheit anders zu sein als im Extremfall alle anderen. Das N- und das Z-Wort gehören selbstverständlich zur freien Meinungsäußerung in einer geschlossenen Gesellschaft. Das Dorf ist auch mental weit weg von der Stadt. Seine Autobahnzubringer sind moderner als seine Ansichten. Als rustikal, volkstümlich und direkt wird ein verletzender Kommunikationsstil gefeiert. Wer sich dagegen verwahrt, verstößt gegen Regeln und wird als Problem wahrgenommen. Der kritische Reflex setzt eine Sicherheit voraus, die viele PoC nicht haben. Interessanterweise taucht in den verblüffend defensiven Betrachtungen der Konferenzteilnehmer*innen häufig die Wendung auf: in diesem oder jenem Zusammenhang war ich super geschützt, zum Beispiel als „Schwarze Gazelle“ in der Fußballdorfmannschaft. Der beste Freund verstärkte schließlich eine Neonazi-Formation. Von wegen super geschützt. Diesen (alle heterogenenen Beziehungen aus der Kurve tragenden) Swing bestätigt eine jordanische Palästinenserin, die in einem ostsächsischen Dorf aufwuchs, wo viele im neurechten Spektrum ihre politische Gleichgültigkeit überwanden. Allerdings gibt es vor Ort, so sagte es die Young Migrant-Autorin, auch eine „antisemitische Antifa“. Der Aufklärungsbedarf erscheint einmal wieder grenzenlos.

Einig waren sich einige, dass Öffentlichkeit den besten Schutz gegen Hass-Attacken aller Couleur bietet. Wo sich Extreme berühren, lässt sich stets auch eine Affinität der Methoden beobachten.

Bald mehr.

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