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24.10.2019, Jamal Tuschick

Seit dreizehn Jahren kollaborieren sie niederrheinisch grenzüberschreitend. Vorgestern bekannten sie sich schuldig auf einem Schauplatz ihrer jüngsten Kollaboration – dem „Anna Koschke“. In der beispielhaften Berliner Bulette & Bier Destille lasen Thomas Hoeps und Jac Toes aka Hoeps & Toes aus ihrem Thriller „Die Cannabis-Connection“. Mit dem - an televisionäre Polit-Performances von Kienzle & Hauser erinnernden - Auftritt folgten sie einer Einladung von Günter Krings. Der Staatssekretär im BMI erwarb Verdienste als Berater der Autoren. Thriller funktionieren nach der Focus-Devise: Fakten, Fakten, Fakten. Die lieferte der Insider. Im Gegenzug boten Hoeps & Toes eine beinah private Lesung im öffentlichen Wohnzimmer des Politikers.

Deutsch-Niederländische Kollaboration

Von links: Thomas Hoeps und Jac Toes aka Hoeps & Toes

Adolfs Akzent

Zwei Tage hängt Marcel Kamrath im Dunstkreis der Kraker* ab. Dann gehört er dazu. Als deutscher Revolutionsromantiker im niederländischen Häuserkampf hütet er sich davor lautstark aufzutreten. Sein Akzent provoziert allergische Reaktionen. Erinnerungen an die deutsche Besatzungszeit erhalten der Vulnerabilität viele Einfallstore. Die Abneigungen gegen „Adolfs“ stellt die einzige Gemeinsamkeit zwischen den Krakern und der Polizei dar. Im Zweifelsfall setzt es was von beiden Parteien.

Hoeps & Toes, „Die Cannabis-Connection“, Thriller, Unionsverlag, 350 Seiten, 19,-

*Seit Ende der 60er Jahre besetzte die Kraker-Bewegung in Amsterdam Häuser und bewahrte so viele verblasste Schmuckstücke vor Abriss nach Verfall. Die historische Architektur wurde liebevoll, mitunter pietistisch-pittoresk in Stand gesetzt und bietet sich heute als Sehenswürdigkeit an. Die für Normalsterbliche unerschwinglichen Immobilien wechseln oft im Cash-Modus die Besitzer. Ein Drittel der einschlägigen Transfers seien Bargeldgeschäfte unter Drogenbaronen.

Das erklärten Thomas Hoeps und Jac Toes gestern Abend im „Anna Koschke“. Die bespielhafte Berliner Bulette & Bier-Destille liefert der „Cannabis Connection“ einen Schauplatz. Der Verlag bewirbt den Titel als Thriller. Für das deutsch-niederländische Autorenduo ist CC ein „psychologischer Roman“.

Delegierte der Kartelle

Ein doppeltes Agens treibt Hoeps‘ & Toes‘ jüngste Produktion an. Erstens plädieren beide für eine Legalisierung von Cannabis, um den kriminellen Sumpf rund um einen, von der Gesetzeslage emanzipierten Konsum trocken zu legen. Sechzig Prozent der niederländischen Hanfproduktion sei, so die Autoren, für den deutschen Markt bestimmt. Mit den Profiten aus diesem Geschäftsfeld verbessere sich das organisierte Verbrechen.

Zweitens schildern die Autoren durchaus mit aufdeckenden Absichten einen mafiösen Filz in den Niederlanden. Delegierte der Kartelle bescherten in Gemeinderäten der niederträchtigen Scheinheiligkeit Triumphe.                                     In Deutschland wisse man zu wenig darüber. Hoeps & Toes sprechen von einem „moralischen point of no return“, der in der Politik auf allen Ebenen auch in Deutschland ständig überschritten wird, da man verlernt habe, inne zu halten und zu seinen Fehlern zu stehen. Diesem Phänomen setzen die Kollaborateure ein Denkmal. Ihrem Helden Kamrath „fällt eine Jugendsünde auf die Füße“. Im Handlungsjetzt ist er schon lange kein verkrachter Grachten-Bummler, Haschhändler und Antifa-Intifada-Filou mit dem obligatorischen Palästinensertuch als Erkennungszeichen unter freidrehenden Müßiggängern, die sich radikal gerieren. Stattdessen verkörpert er all das, was einen Staatssekretär auszeichnet.

Hoeps & Toes beweisen ihre Meisterschaft in der Darstellung einer unglaublichen, zugleich vollkommen alltäglichen Flexibilität. Mich erinnert die kalte Präzision an André Malraux‘ 1933 Roman „So lebt der Mensch“.

In jedem steckt ein Kamrath. Man muss ihn bekämpfen, damit er nicht die Regie übernimmt und der Korruption die Tür öffnet.

Kamrath gilt als kommender Mann mit Aussichten auf einen Kabinettsposten, als ihn seine Vergangenheit in Gestalt eines holländischen Drogen-Spezis mit Kraker-Referenzen einholt. Eine scheinbar zufällige Begegnung gehört in Wahrheit zu einem mafiösen Manöver. Kamrath verliert sein gutes Leben in Sekunden. Ein Joint und ein Junkie verändern die Koordinaten schneller als Kamrath gucken kann. Plötzlich muss er fighten, um nicht unterzugehen.

Bald mehr.

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