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28.10.2019, Jamal Tuschick

Riksa Afiaty kritisierte eine egozentrische Praxis der Kritik beim Young Curators Academy Marathon im Micro Context Container – einem Hochlicht des Berliner Herbstsalons im charismatischen Dunst des Maxim Gorki Theaters.

Nachrichten aus dem Container

Eingebetteter Medieninhalt

Wer repräsentiert und wer wird repräsentiert? Der Repräsentierte steht im Fokus einer kolonialen Verdinglichung. So wie er betrachtet wird: so wird er gelebt; es sei denn, er wehrt sich. Den Spuren von systematischer Enteignung und rituellem Widerstand folgt Riksa Afiaty aus einer indonesischen Perspektive beim Young Curators Academy Marathon. 

Riksa Afiaty

Riksa Afiaty kritisiert eine egozentrische Praxis der Kritik. Die Kuratorin stellt ein „dekoloniales Ästhetikmodell“ in Frage, dass im Greenwashing-Stil einsichtige Aufarbeitung lediglich vortäuscht und die Energie des Dekolonisationsfurors in weiße Kanäle lenkt. 

Das niederländisch-nationale Narrativ erzählt von einer sanften Völkervergewaltigung

Indonesien wurde der niederländische Prägestempel aufgedrückt. Die ehemalige Kolonialmacht bewahrt sich ein heroisch-humanistisches Narrativ. Wenn auch zunehmend heimlicher, feiert es den Wagemut und Einfallsreichtum des nautisch souveränen Entrepreneurs Edamer Provenienz.

Martialischer Muff

Der alte weiße Mann will in dieser Erzählung nicht sterben. Sein martialischer Muff überlebt in Archiven und Moritaten. Sein Zeichen ist der Tropenhelm. Das Zeichen des Überwältigten ist dessen Nacktheit als Gruß aus der Steinzeit. Der bekleidete Mensch stellt sich über die Natur und unterstellt sich bedenkenlos alle(s) Unbekleidete(n).

Das zeigt Afiatys Projekt Padat Merayap (Verstopfung). In diesem Rahmen weist die Kundschafterin neuer Landschaften des Geistes euro-restaurative Szenarien und ihre indonesischen Zukunftsantagonisten nach. Afiaty präsentiert Beispiele indigener Gegenwehr auf der Kulturkampfschiene. Indonesische Schauspieler*innen gewinnen die Niederlagen ihrer Ahnen in Schaukämpfen und anderen Inszenierungen. Dann liegen die Tropenhelme unter Schachtelhalmen neben den malerisch verkrümmten Herrenmenschendarsteller*innen. Mir fällt dazu ein, was ich in einem Film über die britische Herrlichkeit in China hörte, über den wir bald reden werden. Da erklärte ein Architekt, viele prä-koloniale Chinesen hätten auch dann noch an die Magie von Gong-fu geglaubt, als der Feind schon in ihren Wohnzimmern saß. Der Fachmann sagte das spöttisch. Ich glaube aber auch an Gong-fu. Man muss sich das richtig erzählen. Was sind schon hundert Jahre? Und wo steht Großbritannien jetzt im Vergleich mit China?

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