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29.10.2019, Jamal Tuschick

Eine Impression von den Arabisch-Deutschen Literaturtagen in Berlin

Dämonisches Flammenkleid

Stefan Weidner, Leila Chammaa, Ahmed Farouk, Sandra Hetzl

Ghassan Zaqtan, Jadal Al-Qasem, Ramy Al-Asheq

Stefan Weidner

„Es regnet auf die kurze/ von Bäumen gesäumte Straße“

So heißt ein Gedicht von Ghassan Zaqtan. Es lässt an einen Schnappschuss in den überzogenen Farben der Technicolor-Steinzeit denken. Sein Titel taucht als Zeile wieder und wieder auf. Eine Frau im Männermantel erscheint so trist-umwittert wie im Film noir. Die Manteltaschen werden nicht nur von Fäusten gebeult.

Dem palästinensischen Lyriker und Schirmherr der Arabisch-Deutschen Literaturtage folgt eine palästinensische Lyrikerin. Glaubt man Jadal Al-Qasem, dann „hängt alles von der Arglist der Götter ab“. Die Dichterin meldet: „Auf uns wird aus Gewohnheit geschossen.“

Ein lyrisches Ich bezirzt das Objekt seiner Begierde im Flammenkleid einer Dämonin. So überdimensioniert verlangt das entflammende Es nichts weniger als die Höchstform der Lust. Als Herausforderung und Ansporn wird das Es zur Arena.

Jadal Al-Qasem führt das Nötig(end)e gnadenlos konzis zusammen. Das angesprochene (herausgeforderte/angespornte) Du darf nicht nachlassen. Seine Glut ist ein Beweis. Würde es sich ergeben, wäre es erledigt.

Forderungen, die im Verlangen stecken

Die Flambierende gibt zu, was sie treibt. Sie sagt:

„Ich schärfe meinen Blick auf dich/ dann sehe ich mich selbst.“

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